Preise:5,2 Prozent Inflation - der höchste Wert seit 1992

Lesezeit: 2 min

Nur wenige Menschen sind während der Coronapandemie im April 2021 in der Kölner Innenstadt - hier auf der Hohe Straße -

Vor allem einkommensschwache Haushalte leiden unter der starken Inflation.

(Foto: via www.imago-images.de/imago images/Manngold)

Die Preise in Deutschland steigen stark. Die EZB rechnet damit, dass die Teuerungsraten im kommenden Jahr wieder sinken.

Von Markus Zydra, Frankfurt

In Deutschland sind die Preise im Vergleich zum Vorjahr erneut deutlich gestiegen. Die Inflationsrate für den November beträgt 5,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in seiner ersten Schätzung am Montag mitteilte. Einen höheren Wert gab es zuletzt während des Wiedervereinigungsbooms im Juni 1992 mit 5,8 Prozent. Weil vor allem Energie, Lebensmittel und Wohnen, also Dinge des täglichen Bedarfs teurer werden, leiden nach Ansicht von Experten einkommensschwache Haushalte besonders unter der steigenden Inflation.

Der kräftige Preisschub ist ein weltweites Phänomen. Doch anders als in der Euro-Zone haben die Notenbanken in Großbritannien und den USA bereits Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. Davon sieht die Europäische Zentralbank ab und setzt ihre Nullzinspolitik unvermindert fort. "Wenn wir die Geldpolitik jetzt straffen würden, gäbe es dadurch nicht ein Containerschiff oder einen Lkw-Fahrer mehr. Wir leiden unter einer Inflation, die größtenteils von Angebotsengpässen und Energiepreisen getrieben wird", begründete EZB-Präsidentin Christine Lagarde im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung das Festhalten an der bisherigen Strategie.

Die EZB strebt wie andere wichtige Notenbanken ein Inflationsziel von zwei Prozent an. Nachdem die Währungshüter mit ihrer lockeren Geldpolitik in der vergangenen Dekade gegen stagnierende oder gar fallende Preise kämpften, hat sich das Blatt Anfang des Jahres abrupt gewendet: Durch den Corona-Lockdown kam es zu Lieferengpässen, was bei den knappen Waren zu einem spürbaren Preisanstieg führte.

"Insofern kann man eigentlich keine Hinweise darauf sehen, dass die Inflation außer Kontrolle gerät"

Die EZB geht davon aus, dass der von der Corona-Pandemie ausgelöste Inflationsschub im November seinen Höhepunkt erreicht, die Teuerung werde im kommenden Jahr allmählich zurückgehen: "Und zwar in Richtung unseres Inflationsziels von zwei Prozent", sagte die deutsche EZB-Direktorin Isabel Schnabel am Montag dem ZDF. Schnabel wies darauf hin, dass die meisten Prognosen sogar davon ausgingen, dass die Inflation unter zwei Prozent fallen werde. "Insofern kann man eigentlich keine Hinweise darauf sehen, dass die Inflation außer Kontrolle gerät." Kritiker warnen jedoch, die EZB dürfe mit einer Straffung der Geldpolitik nicht zu lange warten, sollte sich der Preisschub fortsetzen. Die EZB möchte bei ihrer Sitzung am 16. Dezember über das weitere Vorgehen entscheiden.

Es gibt Sonderfaktoren, die den aktuellen Preisanstieg miterklären. So hat Deutschland die Mehrwertsteuersätze wieder auf das übliche Vor-Corona-Niveau angehoben. Die Energiepreise kletterten auch deshalb, weil seit Anfang 2021 eine CO₂-Abgabe von 25 Euro je Tonne ausgestoßenes Kohlendioxid fällig wird. Darüber hinaus gibt es einen Basiseffekt: Weil Inflationsraten auf Jahresbasis verglichen werden, schlägt der massive Preisverfall des Vorjahres, ausgelöst durch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie, rechnerisch jetzt stark durch.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB