Der angekündigte Ausstieg der USA aus dem Verbot landgestützter Mittelstreckenraketen hat weltweit Besorgnis ausgelöst. Eine Kündigung des Abkommens werde die Welt "gefährlicher machen", sagte Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow am Montag in Moskau. John Bolton, der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, sprach dort am Montag zunächst mit dem Chef des russischen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew. Es sei darum gegangen, neues Vertrauen zwischen beiden Staaten aufzubauen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung nach dem fünfstündigen Treffen. Der US-Präsident selbst klang am Montagabend eher drohend. Vor Journalisten sagte Trump in Washington, sein Land werde seinen Bestand an Atomwaffen ausbauen, bis "die Leute zur Vernunft kommen". Diese Bemerkung richte sich an China und Russland, sagte Trump - und an "jeden sonst, der dieses Spiel spielen will". Russlands Außenminister Sergej Lawrow betonte vor einem Arbeitsessen mit Bolton am Abend, Moskau sei weiter zu einem Dialog mit Washington bereit. Für Dienstag ist ein Treffen mit Präsident Wladimir Putin geplant.
Laut seinem Sprecher hofft Putin auf "Erklärungen", die USA hätten die geplante Kündigung bisher nicht in der vorgesehenen Weise kommuniziert. Peskow warnte, im Falle einer Kündigung müsse "Russland nach einer Wiederherstellung des Gleichgewichts in diesem Bereich suchen". Beide Länder trügen Verantwortung für die internationale Sicherheit.
Trump hatte am Wochenende den Ausstieg aus dem Vertrag angekündigt, der die Entwicklung und den Besitz landgestützter Atomraketen oder Marschflugkörper mit einer Reichweite von 500 bis 5500 Kilometern verbietet. Washington verdächtigt Russland, seit 2014 solche Waffen neuen Typs stationiert zu haben. Moskau wirft den USA seinerseits Vertragsbruch vor.
Aus dem Nato-Hauptquartier dringt indes nur wenig. Generalsekretär Jens Stoltenberg wird erst am Mittwoch Stellung nehmen. Eine Sprecherin warf Moskau vor, die Zweifel der Nato bezüglich des Raketensystems SSC-8 nicht ausgeräumt zu haben. Solange der Kreml keine "glaubwürdige Antwort" zur neuen Atomrakete gebe, halte es die Nato "für die plausibelste Einschätzung, dass Russland den Vertrag verletzt". Die USA wollen die Nato-Partner im Laufe der Woche offiziell über ihre Pläne informieren. Die EU-Kommission forderte unterdessen die USA und Russland zu einem "konstruktiven Dialog" auf, um das Abrüstungsabkommen zu "erhalten". Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sprach von einer "besorgniserregenden Entwicklung". "Für uns als Europäer ist der INF-Vertrag ein Kernelement unserer Sicherheit", sagte sie bei einem Besuch in Peking. Unabhängig davon, ob der Vertrag gerettet oder neu verhandelt werde, müssten "alle Nato-Staaten in diese Gespräche einbezogen werden".