Ende des INF-Vertrages:"In der Nato gibt es nun zwei Zonen von Sicherheit"

Analysten wie Christian Mölling von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) sehen neben der militärischen Bedrohung auch politisches Erpressungspotenzial gegenüber Westeuropa: "In der Nato gibt es nun zwei Zonen von Sicherheit. Es besteht die Gefahr, dass die Sicherheit Europas von jener der USA abgekoppelt wird." Polen und Balten fordern eine noch stärkere Präsenz der Nato in ihrer Region - am besten mit US-Soldaten. Mölling erwartet, dass die Nato ihre Anstrengungen erhöhen wird, um Truppenverstärkungen nach Polen, Litauen, Lettland und Estland bringen zu können. "Deutschland und seine Seehäfen werden hierfür die Logistik-Drehscheibe sein, und da Versorgungseinheiten wichtige Angriffsziele sind, müssen sie mit Luftabwehr geschützt werden", sagt der DGAP-Experte.

Das Pentagon verfolgt Pläne, gleich drei neue Raketensysteme zu entwickeln, die nach dem INF verboten gewesen wären. Allerdings hat das von den Demokraten kontrollierte Repräsentantenhaus die für den Haushalt 2020 beantragten 100 Millionen Dollar komplett gestrichen. Technisch möglich wäre es jedoch, bereits in der Entwicklung befindliche oder bestehende Raketensysteme für größere Reichweiten zu modifizieren. Fraglich ist, ob diese jemals in Europa stationiert werden würden, was zu einer Neuauflage der Nachrüstungsdebatte der Siebzigerjahre führen könnte.

Russlands Vizeaußenminister Sergej Rjabkow warnte am Donnerstag, falls dies geschehe, könnte Moskau solche Waffen in der Nähe der USA stationieren, etwa auf Kuba oder in Venezuela. Offiziell bestreitet Moskau Vorwürfe der Nato, nicht mit dem INF konforme Flugkörper stationiert zu haben. Stoltenberg aber hat angekündigt, die Allianz wolle Moskaus Handeln nicht "spiegeln" und keine landgestützten Atomraketen stationieren. US-Strategen erwägen, stattdessen eine kleine Zahl Atomwaffen mit flexibler, eher geringer Sprengkraft auf Schiffen und U-Booten zu platzieren. Damit soll die mit dem Marschflugkörper 9M729 verbundene Fähigkeit Russlands durchkreuzt werden, in Europa einen begrenzten Nuklearkrieg zu führen und so die USA im Falle eines regionalen Konfliktes von einem Eingreifen abzuhalten.

Mitte Juli berieten die stellvertretenden Außenminister der USA und Russlands in Genf über "nukleare Stabilität", unter anderem ging es auch um eine mögliche Verlängerung des New-Start-Vertrags. Diese letzte noch in Kraft befindliche Vereinbarung zur Rüstungskontrolle begrenzt die strategischen Atomwaffen Russlands und der USA. Sollte er ebenfalls auslaufen, wären die Arsenale der beiden einstigen Supermächte das erste Mal seit 1972 ohne jegliche Begrenzungen.

Zur SZ-Startseite
U.S. Navy F-18 Hornets are seen off the wing of a U.S. Air Force B-52H Stratofortress assigned to the 20th Expeditionary Bomb Squadron, part of the Bomber Task Force deployed to the region, while conducting joint exercises in Arabian Sea

Digitale Angriffe
:Wie sich die USA und Iran im Cyberspace bekämpfen

Seit der Stuxnet-Virus das iranische Atomprogramm sabotierte, schwelt der Cyber-Konflikt zwischen den USA und Iran. Auch Irans Hacker können mittlerweile mehr, als ein paar Webseiten zu verwüsten.

Lesen Sie mehr zum Thema