Indien und Pakistan Der andere Wahlkampf

Zum Anschlag bekannte sich eine islamistische Terrorgruppe.

(Foto: Reuters)

Ein Terroranschlag in Kaschmir, bei dem 40 Menschen sterben, eint Indiens Regierung und Opposition kurz vor der Wahl im April.

Von Arne Perras, Singapur

In Indien herrscht Wahlkampf, im April wird das Milliardenvolk darüber entscheiden, wer die nächsten fünf Jahre regiert, Opposition und Regierung belauern sich und warten darauf, dass der politische Gegner den nächsten Fehler macht. Doch am Freitag war alles anders. Premier Narendra Modi erklärte nach einer langen Krisensitzung: "Wir müssen jetzt mit einer Stimme sprechen, weil wir diese Schlacht gewinnen müssen." Und Oppositionsführer Rahul Gandhi versicherte: "Wir werden alles tun, damit das Land einig bleibt".

Es waren die Stunden nach dem "Highway Terror", wie indische Medien den Angriff nannten. Ein Selbstmordattentäter hat in Kaschmir mindestens 40 indische Soldaten auf einer Autobahn in den Tod gerissen, viele sind schwer verletzt. Indien ist geschockt und die führenden Politiker wollen zeigen: Der Terror kann die Nation nicht spalten.

Die Regierung in Delhi hat schnell verkündet, wen sie für die Schuldigen hält. "Wenn unser Nachbar denkt, er kann Indien destabilisieren, dann macht er einen großen Fehler", erklärte Modi. Der Nachbar, das ist Pakistan. Jedes Mal, wenn die Gewalt in der strategisch wichtigen Bergregion Kaschmir eskaliert, schürt sie den alten Bruderzwist zwischen den Atommächten. Und nun ist der Zorn besonders groß, weil Indien in Kaschmir eine der schwersten Attacken seit Jahrzehnten erlitten hat.

Delhi sieht in Pakistan den Schuldigen und will den Nachbarn "komplett isolieren"

Delhi kündigte an, es wolle "Pakistan komplett isolieren", das soll durch diplomatische Schritte geschehen und den Entzug von Handelsbegünstigungen. Indien setzt dabei auf Unterstützung aus den USA, doch wird es Delhi schwerfallen, auch China für eine harte Linie zu gewinnen. Peking hat im Zuge seiner Seidenstraßenpläne die Beziehungen zu Pakistan stark ausgebaut und investiert dort Milliarden in Kraftwerke, Autobahnen und einen Hafen am Indischen Ozean.

Der Tatort Pulmawa liegt auf dem Weg von Jammu nach Srinagar, am Donnerstag hatten Attentäter mit ihrem Auto einen Bus mit indischen Soldaten gerammt, der mit 78 weiteren Fahrzeugen in einem Militär-Konvoi fuhr. Das angreifende Auto war ungehindert auf der Überholspur herangekommen, der Gouverneur von Kaschmir sprach von einem Versagen der Geheimdienste, weil die Gefahr nicht erkannt worden war. Zum Anschlag bekannte sich die islamistische Terrororganisation Jaish-e-Mohammad, die Kaschmir als Arena für ihre Gewalttaten nutzt. Die Gruppe ist in Pakistan entstanden und hat dort ihre Rückzugsgebiete, weshalb Indien immer wieder staatlich gesponserten Terror angeprangert hat, wenn dort Bomben detonierten. Der Vorwurf gilt der pakistanischen Führung, die nichts gegen Gruppen wie Jaish-e-Mohammad unternehme oder sie sogar fördere, Indien geht davon aus, dass die Terroristen von Kreisen im pakistanischen Militär unterstützt werden. Auch nach der Attacke von Pulmawa sprach Indiens Finanzminister Arun Jaitley von einer "direkten Beteiligung" des Nachbarn. Pakistan wies die Anschuldigungen zurück, das Außenministerium wehrte sich gegen "Unterstellungen, die den Angriff mit dem Staat Pakistan in Verbindung bringen".

Die Kontrolle über Kaschmir ist seit dem Ende der britischen Kolonialherrschaft heftig umkämpft, Indien und Pakistan führten schon dreimal Krieg um das Gebiet, das zwischen beiden Atommächten geteilt ist. Beide Länder erheben Ansprüche auf die mehrheitlich muslimisch bevölkerte Region im Himalaja, außerdem gibt es eine starke einheimische Unabhängigkeitsbewegung, die ein eigenständiges Kaschmir fordert. Pakistan erklärt, es unterstütze "Freiheitskämpfer", während Indien dem Nachbarn vorwirft, er schüre Terror.