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Indien:Freisprüche nach Angriff auf Moschee

Radikale Hindus haben 1992 eine historische Gebetsstätte gestürmt. Es folgten blutige Unruhen. Jetzt wurden 32 Angeklagte freigesprochen.

Von Arne Perras

Ein Sondergericht in Indien hat 32 Angeklagte freigesprochen, die sich als mutmaßliche Drahtzieher des Angriffs auf die historische Babri-Moschee in Ayodhya vor der Justiz verantworten mussten. Die Richter begründeten den Freispruch damit, dass sich die Vorwürfe nicht schlüssig beweisen ließen. Radikale Hindus hatten 1992 die historische Gebetsstätte im Bundesstaat Uttar Pradesh im Norden Indiens gestürmt und dem Erdboden gleichgemacht, weil sie den Platz als angeblichen Geburtsort ihres Gottes Ram beanspruchen. Es folgten blutige Unruhen auf dem Subkontinent, 2000 Menschen starben. Die Gewalt in Ayodhya hat die Spaltung zwischen den religiösen Gruppen Indiens erheblich vertieft. Der Streit reicht weit zurück und sorgte schon unter britischer Kolonialherrschaft zu Spannungen.

Der Richter erklärte, die Zerstörung sei nicht geplant gewesen, was Aussagen eines Zeugen widerspricht, der nach eigenen Angaben damals an einer Art Generalprobe des Sturms teilgenommen hatte. Das Urteil dürfte das Gefühl der Marginalisierung unter den 200 Millionen indischen Muslimen verstärken und der Dominanz hindu-nationalistischer Kräfte weiteren Schub verleihen.

Der muslimische Parlamentsabgeordnete Asaduddin Owaisi aus Hyderabad kritisierte die Entscheidung scharf. Er sprach von einem schwarzen Tag für die indische Justiz, der Urteilsspruch folge der Ideologie radikaler Hindus. Ein muslimischer Verband kündigte an, die Entscheidung in einem Berufungsverfahren anzufechten.

Das Urteil folgte auf eine umstrittene Entscheidung des indischen Verfassungsgerichtes im vorigen Jahr, die den Streit um den Standort der früheren Moschee zugunsten der Hindus entschied. Erst vor wenigen Wochen legte Premierminister Narendra Modi den Grundstein für einen neuen Ram-Tempel in Ayodhya, ein Projekt, das von Hindu-Eiferern seit Jahrzehnten vorangetrieben wird. Ayodhya gilt ihnen als Symbol ihrer religiös-nationalistischen Bewegung, die durch den Wahlsieg der BJP 2014 an die Macht gelangte und die säkulare Kongresspartei verdrängte.

Unter den Freigesprochenen befinden sich zahlreiche führende Kräfte der BJP, allen voran Lal Krishna Advani, früher Vize-Premier. Alle Angeklagten hatten die Vorwürfe gegen sie zurückgewiesen. Ursprünglich waren Verfahren gegen 49 mutmaßliche Anführer der Zerstörung eingeleitet worden, 17 von ihnen sind bereits gestorben.

© SZ vom 01.10.2020
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