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Coronavirus in Spanien und Portugal:Ein Herz für Kellner

Ein Kellner bedient im November in einem Restaurant in Barcelona Gäste.

(Foto: Lluis Gene/AFP)

In Spanien und Portugal verläuft die Impfdebatte anhand ganz praktischer Fragen: Welche Berufsgruppen sollen zuerst geimpft werden? Und was ist mit denen, die die Infektion bereits überstanden haben?

Von Karin Janker, Madrid

Ob man bald oder erst in ferner Zukunft geimpft wird, hängt in Spanien stark vom Beruf ab. Wer als Kellner in Madrid arbeitet, hat womöglich gute Chancen, früh an der Reihe zu sein, zumindest wenn es nach dem Willen von Isabel Díaz Ayuso geht. Mit ihrem Vorstoß, das Personal in der Gastronomie oder Taxifahrer beim Impfen zu priorisieren, machte die Madrider Regionalpräsidentin in der vergangenen Woche auf sich aufmerksam.

Allerdings entscheidet letztlich Gesundheitsministerin Carolina Darias. Zumindest einen Teil der Impfkandidaten will offenbar auch sie nach Berufsgruppen auswählen. Mit dem Impfstoff von Astra Zeneca sollen zunächst Personen geimpft werden, die zwischen 18 und 55 Jahre alt sind, keine schwerwiegenden Vorerkrankungen haben und als Polizisten, Feuerwehrleute, Soldaten oder Lehrkräfte arbeiten. So zitieren Medien aus dem aktuellen Entwurf des nationalen Impfplans.

Spanien liegt bei der Quote der Immunisierten vor Deutschland

Bislang hat Spanien fast 2,2 Millionen Impfdosen verabreicht, umgerechnet auf die Einwohnerzahl wurden 4,6 Prozent der Bevölkerung mit einer oder zwei Dosen geimpft. Damit liegt Spanien im Ländervergleich vor Deutschland, wo bisher nur 2,8 Prozent der Menschen geimpft sind. Fällt eine Lieferung der Hersteller aus, so improvisiert man. Als es im Januar zu Engpässen kam, entschieden einzelne Regionen, gleich sämtliche bereits gelieferten Dosen zu verimpfen, statt das Kontingent für eine zweite Dosis zurückzuhalten.

Die Impfdebatte in Spanien konzentriert sich auf praktische Fragen wie diese: Wann impft man Menschen, die schon eine Infektion hinter sich haben? Spanien führt diese Diskussion nicht ohne Grund. Es gibt mittlerweile einen beträchtlichen Bevölkerungsanteil, der die Infektion überstanden hat. In dieser Woche hat Spanien die Marke von drei Millionen festgestellten Infektionen überschritten. Allerdings vermuten Experten, dass die Dunkelziffer weit höher liegt. Neun Millionen Menschen haben Schätzungen zufolge in Spanien bereits eine Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 durchgemacht. 63 000 Menschen sind nach offiziellen Angaben an oder mit dem Virus verstorben.

Landesweit wurden in den vergangenen sieben Tagen noch immer 329 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner festgestellt, mit starken Unterschieden zwischen den einzelnen Regionen. Doch die Werte sinken, Spanien scheint den Gipfel der dritten Welle überschritten zu haben. Einige Regionen wie Madrid und Katalonien lockern bereits ihre Maßnahmen. Viele Epidemiologen halten das für keine gute Idee, weil das Niveau der Infektionszahlen nach wie vor hoch ist.

Sie verweisen auf das Nachbarland Portugal als mahnendes Beispiel. Dort betont die Regierung zwar, dass die britische Virusvariante ausschlaggebend sei für das Emporschnellen der Infektionszahlen seit Jahresbeginn. Doch immer mehr Experten wie etwa der Chef des Verbands der Ärzte im öffentlichen Sektor, Ricardo Mexia, vermuten, dass wohl vor allem die Aufhebung der Kontaktbeschränkungen rund um Weihnachten der Grund dafür ist, dass das Gesundheitssystem nun vor dem Kollaps steht.

In Portugal gilt wieder eine Ausgangssperre

Der Lockdown, den Portugal vor gut zwei Wochen verhängt hat, zeigt mittlerweile Wirkung. Es gilt eine generelle Ausgangssperre, das Haus darf nur verlassen, wer triftige Gründe vorweisen kann. Inzwischen sinkt die Zahl der Neuinfektionen. In den Krankenhäusern ist diese Entspannung allerdings noch nicht angekommen. Auf den vielerorts improvisierten Intensivstationen liegen noch immer 860 Covid-Patienten, viel mehr, als das Gesundheitssystem verkraften kann.

Angesichts dieser akuten medizinischen Herausforderung gelang Portugal der Impfstart in den vergangenen Wochen vergleichsweise passabel. 400 000 Dosen wurden mittlerweile verimpft. 2,9 Prozent der Bevölkerung haben bisher eine Impfdosis erhalten, gut ein Prozent bereits zwei Dosen. Damit liegt das Land über dem EU-Durchschnitt.

Aber auch in Portugal ist die Frage der Priorisierung strittig. Am höchsten ist die Rate derer, die bereits vollen Impfschutz haben, unter den Angestellten im Gesundheitswesen und den Sicherheitskräften. Hier sind bereits 20 Prozent der Menschen vollständig geimpft. In Portugals Pflegeheimen sind es hingegen gerade einmal drei Prozent.

© SZ/kit
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