Idlib:Große Mächte, großes Leid

Der Norden Syriens kommt nicht zur Ruhe. Die Handschlag-Diplomatie von Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdoğan funktioniert nicht mehr. Viele Menschen vor Ort sind nun obdachlos und finden keinen Ausweg.

Von Moritz Baumstieger

Seit Jahren bildet der Norden Syriens die Großkonflikte der Unruheregion Nahost im Miniaturformat ab: Regimesoldaten und von Iran kommandierte Milizen stehen Dschihadisten und Rebellen gegenüber. Dazwischen haben russische, türkische und US-Soldaten Stützpunkte, meist als Beobachter deklariert. Weiter im Osten markieren die Kurden ihr Territorium, dazwischen verstecken sich die Reste der Terrormiliz IS.

Ebenso seit Jahren wird vor dem Funken gewarnt, der die Mischung zur Explosion bringen könnte. Nun, da die Schlacht um die Provinz Idlib eskaliert, schießen Truppen Assads und die des Nato-Staates Türkei aufeinander. Die Handschlag-Diplomatie, mit der Putin und Erdoğan Konflikte unter Kontrolle zu halten versuchten, funktioniert nicht mehr.

Das ist ein schlechtes Zeichen für die gesamte Region, auch in Libyen etwa behaupten beide Präsidenten, dass der Weg zu einem Frieden über Moskau und Ankara führt. Für Idlib aber ist es eine weitere Katastrophe: Hunderttausende sind bereits obdachlos in der Provinz, deren Einwohnerzahl sich während des Krieges durch Flucht und Vertreibung mehr als verdoppelt hat. Die Grenze zur Türkei ist verschlossen, auch, weil Europa Erdoğan dafür bezahlt. Die Miniatur der Mächte - in Idlib hat sie das Leid schon lange maximiert.

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