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Ican:Werben mit Gütesiegel

Die Schwedin Beatrice Fihn ist Ican-Direktorin. Die Organisation erhielt den Friedensnobelpreis 2017.

(Foto: Denis Balibouse/Reuters)

Die Internationale Kampagne gegen Atomwaffen hat den Preis als Rückenwind empfunden und hofft, dass 2020 ein Vertrag zum Verbot von Nuklearwaffen in Kraft tritt.

Beatrice Fihn hat jetzt quasi ein Qualitätssiegel. Zumindest erklärt sie so die Auswirkungen, die der Friedensnobelpreis auf ihre Arbeit hatte. Fihn ist die Direktorin der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican), die die Auszeichnung im Jahr 2017 erhalten hat. Zwei Jahre später sagt Fihn: "Der Friedensnobelpreis ist wie ein Gütesiegel - und hat uns einige Aufmerksamkeit beschert."

Ican kämpft seit 2007 gegen den Widerstand der Atommächte und anderer Länder dafür, alle Kernwaffen per internationalem Vertrag zu verbieten. Vor zwei Jahren schaffte die Initiative das kaum für möglich Gehaltene: In New York wurde der Internationale Vertrag zum Verbot von Nuklearwaffen unterzeichnet, er untersagt deren Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung.

Die Preisvergabe an Ican galt als Botschaft an die Atommächte. Es war die Zeit, in der US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un einander mit roten Knöpfen und der "totalen Zerstörung" drohten. Dieser Konflikt hat sich seitdem etwas beruhigt. Allerdings ist seitdem auch der INF-Vertrag ausgelaufen, die USA und Russland sitzen nach wie vor auf Tausenden Sprengköpfen, und Washington hat den Atomdeal mit Iran einseitig gekündigt. Haben sie die Botschaft aus Oslo ignoriert? "Angekommen ist die Botschaft bei den Adressaten - aber gefallen hat sie ihnen nicht", meint Fihn. Icans UN-Vertrag tritt erst in Kraft, wenn ihn 50 Länder ratifiziert haben. Das aber ist bis heute nicht geschehen.

Trotzdem hat der Preis der Initiative geholfen, davon ist Fihn überzeugt. "Als Nobelpreisträger wurden wir bekannter und konnten besser für den Vertrag werben." Immerhin, so betont sie, unterstützten 79 Länder ihren Vertrag bereits. Dass die Ratifizierung länger dauert als erwartet, erklärt Fihn mit der langsamen innerstaatlichen Bürokratie, mit der man so nicht gerechnet habe. Im kommenden Jahr sollen die nötigen 50 erreicht sein, pünktlich zum 75. Jahrestag der Angriffe auf Hiroshima und Nagasaki.

Die Ican-Chefin wurde nach der Preisvergabe zu einem Witz über Trump gefragt, den sie auf Twitter gemacht hatte. Preisträger stehen stärker unter Beobachtung. Seitdem ist sie vorsichtiger mit Äußerungen. Ihre eigentliche Arbeit sei aber gleich geblieben, und für die seien sie ja ausgezeichnet worden. Das ist Fihn wichtig. Schließlich wollten sie und ihre Kollegen "keine Berühmtheiten sein, die nur durch die Welt reisen, um über ihren Nobelpreis zu reden".