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Verstorbener IAEA-Chef:Um Amanos Nachfolge dürfte es ein heftiges Ringen geben

Yukiya Amano in Lubmin

Für den anfangs zögerlichen Umgang mit der Havarie des Atomkraftwerks Fukushima erhielt der Japaner Yukiya Amano einige Kritik.

(Foto: Stefan Sauer/dpa)
  • Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde verfolgte einen strikt technischen und unabhängigen Ansatz.
  • Nach seinem Tod könnte es einen harten Streit um die Nachfolge geben.
  • Die Behörde beschäftigt sich unter anderem mit der Überwachung des Atomabkommens mit dem Iran.

Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Yukiya Amano, ist gestorben. Das gab die IAEA am Montag in Wien bekannt, ohne nähere Angaben zu machen. Es war seit Längerem bekannt, dass der 72 Jahre alte japanische Diplomat mit Gesundheitsproblemen kämpfte. Die IAEA zitierte aus einem Brief, mit dem Amano dem Gouverneursrat seinen Rücktritt mitteilen wollte. Diplomaten hatten erwartet, dass er das Schreiben in dieser Woche übermitteln lassen würde. Seine reguläre Amtszeit hätte noch bis November 2021 gedauert. Bis zur Wahl eines Nachfolgers übernimmt die Amerikanerin Mary Alice Hayward die Amtsgeschäfte, bislang Amanos Stellvertreterin und für das Management der IAEA zuständig.

Amanos Tod trifft die IAEA in einer politisch heiklen Lage. Sie überwacht die Einhaltung des Atomabkommens mit Iran aus dem Jahr 2015. Iran hatte zuletzt gegen zwei zentrale Bestimmungen der Vereinbarung verstoßen. Die Islamische Republik will damit erzwingen, dass die nach dem Ausstieg der USA verbliebenen Vertragspartner Kompensation leisten für die Verluste, die dem Land durch die einseitig von US-Präsident Donald Trump verhängten Sanktionen entstehen.

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Zugleich sieht sich die Behörde unter Druck, eine Bewertung von Dokumenten über das iranische Atomprogramm vorzunehmen, die der israelische Geheimdienst Mossad nach Angaben der Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu bei einer Kommandoaktion in Teheran erbeutet hat. Sie belegen nach Ansicht Israels und der USA, dass Iran bei der Entwicklung von Atomwaffen deutlich weiter fortgeschritten war, als bislang bekannt. Die IAEA hat zudem in einer Lagerhalle, in der Ausrüstung gelagert worden sein soll, radioaktive Partikel nachgewiesen. Iran bezeichnet die Dokumente als Fälschungen.

Im Fall Nordkorea könnte der IAEA eine wichtige Rolle zukommen

Amano verfolgte einen strikt technischen Ansatz für die Arbeit der IAEA und legte großen Wert auf deren Unparteilichkeit. Er wollte sich damit absetzen von seinem Vorgänger Mohamed El-Baradei. Der war zwar zusammen mit der IAEA mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden, die USA und andere westliche Regierungen warfen ihm aber vor, aus politischen Gründen Iran-Berichte der Inspektoren entschärft zu haben. Amano war bei seiner Wahl von den USA unterstützt worden. Kritik entzündete sich an seinem anfänglich sehr zurückhaltenden Umgang mit der Havarie des Atomkraftwerks Fukushima in seinem Heimatland Japan.

Eine wichtige Rolle könnte der IAEA überdies zukommen, sollten die USA und Nordkorea Fortschritte bei ihren Verhandlungen über eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel erzielen. Pjöngjang hatte die Inspektoren im April 2009 hinausgeworfen und war 2003 aus dem Atomwaffensperrvertrag ausgetreten.

Um Amanos Nachfolge dürfte ein heftiges Ringen entbrennen. Argentiniens Botschafter bei der IAEA, Rafael Grossi, gilt als möglicher Kandidat, ebenso Amanos Kabinettschef, der Rumäne Cornel Feruta. Amano war nach dem Jura-Studium in Tokio 1972 in den diplomatischen Dienst eingetreten und diente bis zu seiner Wahl an die Spitze der IAEA von 2005 an als Japans Botschafter dort.

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