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IAEA-Bericht zu Irans Nuklearprogramm:Mit Bomben gegen die Bombe

Alle Drohungen, alle Angebote haben nichts gebracht: Iran reichert Uran an und bastelt an der Atombombe. Diesen Verdacht dürften die Internationalen Atomaufseher in ihrem jüngsten Bericht bestätigten. Der Westen und Israel können nicht tatenlos zuschauen, wie sich ein aggressives, antisemitisches Regime die ultimative Waffe verschafft.

Hubert Wetzel

Ein großer Teil der Bürokraten in internationalen Organisationen ist damit beschäftigt, Berichte zu schreiben, die (außer den Autoren) niemand liest, und die (ehrlich gesagt) auch niemanden interessieren. Der angekündigte neue Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde zum iranischen Nuklearprogramm ist da von ganz anderem Kaliber. Irgendwo in den seitenlangen technischen Beschreibungen werden ein paar Sätze stehen, die einen Krieg auslösen können.

Mahmoud Ahmadinejad

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad in der iranischen Urananreicherungsanlage Natanz: Der jüngste IAEA-Bericht könnte der Führung in Teheran bescheinigen, über das Wissen für den Bau einer Atombombe zu verfügen.

(Foto: AP)

Israel sieht das iranische Regime zu Recht als ein feindliches. Sollte der Bericht tatsächlich bescheinigen, dass Teheran kurz davor steht, eine Atombombe bauen zu können, dann wird es ernst. Niemand weiß, wie lange dann das laute Nachdenken in Jerusalem über einen Präventivangriff noch Teil einer Drohkulisse bleibt, die den Westen, Russland und China zu schärferen Wirtschaftssanktionen zwingen soll - oder wann aus dem Bellen ein Beißen wird und die israelischen Jets aufsteigen, um Irans Atomanlagen zu zerbomben. Die Folge wäre wohl ein neuer großer Krieg im Nahen Osten. Den will niemand, der noch ganz bei Trost ist.

Doch das Problem ist: Der Atomstreit steuert seit Jahren auf diesen Tag zu, ohne dass man einer Lösung auch nur einen Schritt näher gekommen wäre. Alle Drohungen, alle Angebote, alle Strafmaßnahmen, alle diplomatischen Initiativen haben eigentlich nichts am grundsätzlichen Konflikt geändert: Iran reichert Uran an und bastelt an einer Atombombe.

Doch der Westen und Israel können nicht tatenlos zuschauen, wie sich ein aggressives, antisemitisches iranisches Regime die ultimative Waffe verschafft. Mit dem Krieg ist es ja manchmal so eine Sache: Alle sagen, sie wollen ihn nicht. Und dann bricht er aus.

© SZ vom 08.11.2011/hai
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