IAEA-Bericht:Iran beschleunigt Ausbau seines Atomprogramms

Alarmierende Erkenntnisse: Der neue Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde legt offen, dass Iran die Uran-Anlage Fordow fast fertiggestellt hat. Außerdem wurden offenbar Spuren möglicher Experimente zur Entwicklung von Atomwaffen verwischt.

Paul-Anton Krüger

Iran hat die 80 Meter unter einem Berg gelegene Uran-Anreicherungsanlage Fordow weitgehend fertiggestellt. Das geht aus einem neuen Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hervor, der am Donnerstagabend in Wien bekannt wurde. Demnach haben Techniker in dem vor Luftangriffen gut geschützten Stollen inzwischen mehr als 2100 der geplanten fast 2784 Zentrifugen installiert. Mehr als 700 dieser Maschinen produzieren bereits Uran, das in der Anlage auf 20 Prozent des spaltbaren Isotops Uran 235 angereichert wird.

Israel und Iran auf Konfrontationskurs

Präsident Mahmud Ahmadinedschad inspiziert im März 2007 die Urananreicherungsanlage Natans.

(Foto: dpa)

Seit dem letzten IAEA-Report im Mai hat Iran damit die Kapazität der Anlage fast verdoppelt.

Israel sieht in der Anlage in Fordow die größte Bedrohung durch das iranische Atomprogramm. Zum einen ist aufgrund physikalischer Eigenheiten mit der Anreicherung von Uran auf 20 Prozent bereits mehr als drei Viertel der Arbeit erbracht, die notwendig ist, um bombenfähiges Material mit einem Reinheitsgrad von mehr als 90 Prozent herzustellen.

Je mehr solches Material Iran besitzt, desto kürzer ist die Zeit, die nötig wäre, um genug Ausgangsmaterial für eine Bombe herzustellen, sollte das Regime in Teheran die Entscheidung dazu treffen. Zudem ist zweifelhaft, ob Israel mit seinen militärischen Mitteln Iran im Alleingang daran hindern könnte, in Fordow diesen Schritt zu gehen. Israel Verteidigungsminister Ehud Barak hat mit Blick auf Fordow immer wieder davor gewarnt, Israel könne nicht hinnehmen, dass Irans Atomprogramm "eine Zone der Immunität" erreiche.

Massenvernichtungswaffen als Sünde

Zudem kritisiert die IAEA in erstaunlich deutlichen Worten, dass Iran durch Veränderungen an einem verdächtigen Gebäudekomplex auf dem Militärstützpunkt Parchin Spuren möglicher Experimente zur Entwicklung von Atomwaffen verwischt habe. Im Licht dieser "umfangreichen Aktivitäten" sei die Fähigkeit der Behörde "ernsthaft beeinträchtigt", dort noch Informationen nachgehen zu können, auf denen der Verdacht basiere, heißt es in dem 14-seitigen Dokument.

Bislang verweigert Iran den Inspektoren jeden Zugang zu dem etwa 20 Kilometer von der Hauptstadt Teheran entfernten Gelände. Dort soll Iran in einer mit Hilfe eines russischen Forschers errichteten Sprengkammer an einer Neutronenquelle experimentiert haben, einem zentralen Bauteil für Nuklearwaffen.

In Teheran hatte zuvor Irans Oberster Führer Ayatollah Ali Chamenei beim Gipfeltreffen der Blockfreien Staaten bekräftigt, sein Land strebe keine Atomwaffen an. Die Islamische Republik, die im Krieg mit Irak Opfer von Chemiewaffen-Angriffen war, lehne jeden Einsatz von Massenvernichtungswaffen als Sünde ab.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte Iran auf, sich diplomatisch mit dem Westen zu einigen und zu beweisen, dass sein Atomprogramm friedlichen Zwecken diene. Iran müsse die Resolutionen des UN-Sicherheitsrates befolgen und der IAEA Zugang gewähren, forderte er in Teheran. Zugleich warnte er Iran und Israel, es herrsche ein "Krieg der Worte, der sehr leicht zu einem realen Krieg" führen könne.

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