Hybride BedrohungBlau, Rot, Grün – wie Russland in Frankreich Unruhe stiftet

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Die Synagoge Agoudas Hakehilos im Pariser Viertel Marais nach dem Farbanschlag am vergangenen Samstag.
Die Synagoge Agoudas Hakehilos im Pariser Viertel Marais nach dem Farbanschlag am vergangenen Samstag. Abdul Saboor/Reuters

In Paris sind drei Synagogen und die Gedenkstätte für die Opfer der Shoah beschmiert worden – wohl wieder von Auftragstätern. Die Analogie zu früheren Aktionen mit russischer Urheberschaft ist frappant.

Von Oliver Meiler, Paris

Diesmal war es Grün, ein mittlerer Farbton. In Juan-les-Pins an der Côte d’Azur hat die französische Polizei drei serbische Staatsangehörige festgenommen, die die Farbe in der Nacht zu Samstag in Paris verschmiert hatten. Auf der „Mauer der Gerechten“ an der Gedenkstätte für die Opfer der Shoah, auf der Fassade eines bekannten jüdischen Restaurants im Marais und auf den Außenmauern von drei Synagogen. Die Serben wollten gerade das Land verlassen, als sie verhaftet wurden.

Sehr geschickt hatten sie sich nicht angestellt bei ihrem Farbanschlag: Die Ermittler mussten nur die Aufnahmen der vielen Sicherheitskameras im 4. Arrondissement auswerten. Eine zeichnete auf, wie einer der Männer um 4.30 Uhr früh die „Mur des Justes“ entweihte, die die Namen von Franzosen trägt, die im Zweiten Weltkrieg Juden vor der Deportation geschützt hatten. Der zweite Mann filmte die Tat für Posts in den sozialen Medien. Den dritten fing eine andere Überwachungskamera ein. Der Rest war ordentliche Recherchearbeit.

Das gleiche Tatmuster wie 2023 und 2024

Noch ist nicht bekannt, was die drei Serben seit ihrer Festnahme in der Nacht zu Dienstag den Ermittlern über ihre Motive und möglicherweise auch über ihre Auftraggeber erzählt haben. Die Fahnder werten gerade die Daten ihrer Handys aus, die Chats und eventuelle Geldüberweisungen. In Frankreich geht man aber von einem weiteren politischen Destabilisierungs- und Einmischungsversuch aus, mutmaßlich gesteuert aus Russland – „staatlich oder parastaatlich“, wie die französischen Behörden es formulieren. Offenbar zielt die Tat darauf ab, die politischen Spannungen zu befeuern, die seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 und im Verlauf des israelischen Gegenschlags auf Gaza auch in Frankreich entbrannt sind.

Die Analogie zu anderen Aktionen mit vermeintlich antisemitischem Hintergrund ist frappant, nur die Farbe variiert. Kurz nach dem 7. Oktober waren an Hausmauern in mehreren Vierteln und Vorstädten von Paris über Nacht mehr als 200 blaue Davidsterne aufgetaucht, aufgesprüht mit Schablone. Die Bilder dieser Davidsterne gingen in den sozialen Medien viral, gepusht von russischen Profilen auf Telegram und Tiktok, wie man erst später erfahren sollte.

Auch die russische Propaganda-Mär einer Bettwanzen-Plage zielte auf Paris

Die Sorge war zunächst groß, die Empörung global: Wurden da etwa Häuser markiert, in denen Juden leben? Erreichte der Nahostkonflikt nun endgültig Frankreich, wo eine der größten jüdischen und eine der größten muslimischen Gemeinden Europas leben? Dann nahm die Polizei ein moldauisches Paar fest. Es gestand, dass es aus Russland beauftragt worden war und von dort auch Geld dafür erhalten habe. 2024 waren es dann zwei Bulgaren, die mit Schablonen und roter Farbe Hände auf die Mauern des „Mémorial de la Shoah“ malten, als trügen sie Blut.

Die Reaktionen der Politik sind immer dieselben, wie kann es anders sein: Wie in anderen Ländern haben auch in Frankreich die tatsächlichen antisemitischen Vorfälle seit dem 7. Oktober stark zugenommen. Nach der Aktion mit der grünen Farbe sagte etwa Anne Hidalgo, die linke Bürgermeisterin von Paris, sie sei zutiefst erschüttert: „Antisemitismus hat keinen Platz in dieser Stadt und in dieser Republik.“ Frankreichs Innenminister sprach von seiner „tiefen Abscheu“ über diese „widerliche Tat gegen die jüdische Gemeinde“. Empörung kam auch aus Israel. Präsident Isaac Herzog sagte, sein Großvater sei einst Rabbiner von einer dieser Pariser Synagogen gewesen, die nun grün beschmiert wurden.

Frankreich ist oft Ziel solcher Aktionen. Das rührt wohl auch daher, dass sein Präsident, Emmanuel Macron, sich wortreich für die Ukraine starkmacht. Er ist das Lieblingsziel von russischen Kampagnen, wie es jüngst etwa die Geschichte seines zerknüllten Taschentuchs zeigte, das im Netz zum Kokainsäckchen mutierte. Vor den Olympischen Sommerspielen in Paris verbreitete die russische Propaganda auch die Mär, die Stadt werde wie bei einer biblischen Plage von Bettwanzen heimgesucht. Das sollte den Erfolg der Veranstaltung sabotieren. Der Hype legte sich aber bald.

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