Als Donald Trump im November 2024 zum zweiten Mal zum US-Präsidenten gewählt wurde, da versprach er, dass er die USA heraushalten werde aus den vielen Konflikten am anderen Ende der Welt, die nicht in ihrem Interesse seien. Er werde „Kriege beenden“, nicht neue schaffen. Die Realität ist eine andere, sie richtet sich nicht immer nach seinen Ankündigungen. Seit dem 15. März lässt Trump die Huthi und alles das, was man für Huthi hält, in Jemen bombardieren. Es soll sich um die intensivsten Luftangriffe der USA seit dem Kampf gegen den Islamischen Staat vor knapp zehn Jahren handeln. Mehr Krieg also, nicht weniger. Etwa drei Milliarden Dollar soll er die USA bereits gekostet haben. Die Ergebnisse sind dürftig.
Welche Resultate unterdessen massive Angriffe der israelischen Luftwaffe am Montag auf Stellungen der Huthi in Jemen hatten, war am Abend noch unklar. Es war die Reaktion auf den Einschlag einer Rakete der Huthi-Miliz am Sonntag in der Nähe des Tel Aviver Flughafens. Israels Verteidigungsminister Israel Katz hatte den Huthi gedroht, „siebenfach zurückzuschlagen“. Dem Sender Al Jazeera zufolge waren am Montag 30 Kampfjets im Einsatz. Das israelische Militär teilte mit, zu den Zielen in Jemen habe der Hafen von Hudaida im Westen gezählt, er werde auch für den Transport iranischer Waffen genutzt. Zudem sei eine Betonfabrik östlich der Stadt angegriffen worden, die die Miliz zum Bau militärischer Einrichtungen nutze. Die Angriffe seien abgestimmt gewesen mit den USA, berichteten arabische Medien, ein Huthi-naher Sender sprach von Angriffen Israels und der USA.
Trump behauptete Ende März zwar, dass die Angriffe zu Erfolgen „jenseits unserer kühnsten Träume“ geführt hätten. Und dass die „Huthi darauf brennen, Frieden zu schließen“. Sechs Wochen später war jedenfalls bis zum Montag davon nichts zu spüren, haben die USA keines ihrer Kriegsziele erreicht. In dem mittlerweile öffentlichen Signal-Chat hatte US-Verteidigungsminister Peter Hegseth nicht nur die Einsatzpläne der US-Jets geteilt, sondern auch die Kriegsziele: „Die Wiederherstellung der Freiheit der Schifffahrt, ein zentrales nationales Interesse, und 2) Wiederherstellung der Abschreckung“, schrieb er damals. Nichts davon ist eingetreten, obwohl die USA in den vergangenen sechs Wochen fast doppelt so viele Luftangriffe geflogen haben, wie die Regierung von Joe Biden in den 13 Monaten vor Trumps Amtsantritt.
Auch wenige Raketen sind für die Reedereien ein paar zu viel
Die meisten Handelsschiffe umfahren weiter das Rote Meer und den Suezkanal, weil sie von den Huthi angegriffen werden, die behaupten, sich so mit den Palästinensern in Gaza zu solidarisieren. Die Abschreckung funktioniert nicht, die Huthi sind vielleicht angeschlagen, aber um Frieden betteln sie nicht: Am Sonntag traf eine ihrer Raketen die Umgebung des internationalen Flughafens von Tel Aviv. Die USA und Israel kündigten Vergeltung an, die auch Iran treffen könnte, das die Huthi seit Jahren unterstützt. Es werden noch mehr Bomben fallen. Wird sich auch etwas ändern? Zwei ganze Flugzeugträgerverbände feuern auf eine Truppe, deren Mitglieder oft als Sandalenkrieger belächelt wurden. Aber bisher nicht zu besiegen war.
„Die Huthi haben zwar weiterhin unsere Schiffe angegriffen, aber unsere Operationen haben das Tempo und die Wirksamkeit ihrer Angriffe verringert. Der Abschuss ballistischer Raketen ist um 69 Prozent zurückgegangen. Außerdem sind die Angriffe von Einweg-Angriffsdrohnen um 55 Prozent zurückgegangen“, teilte das Zentralkommando der US-Streitkräfte vor wenigen Tagen mit.
Für die Schifffahrt sind aber eben auch schon wenige Raketen ein paar zu viel. Die meisten Reedereien umfahren den Suezkanal und leiten ihre Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung. Das ist zwar teuer, für viele Reedereien sind dadurch aber auch die Gewinne höher. Die Krise kennt auch Profiteure. Zu den Verlierern gehört Ägypten: Im Jahr 2024 sanken die Einnahmen des Suezkanals um sechzig Prozent auf vier Milliarden Dollar. Ägypten wurde deshalb immer wieder gefragt, ob es sich an den US-Militäraktionen gegen die Huthi beteiligen möchte, oder zumindest an den Seepatrouillen der Europäer.
Ägypten lehnte ab. Die Huthi sind wie in vielen arabischen Ländern für große Teile der Bevölkerung Helden; die Einzigen, die sich Israel noch entgegenstellen. Die ägyptische Regierung würde die Huthi gerne loswerden, sie weiß aber auch, dass das nicht so einfach ist. Ägypten hat sein eigenes Trauma in Jemen erlebt: 1962 half das Land beim Sturz der dortigen Monarchie, 60 000 Soldaten wurden entsandt, um die Royalisten zu schlagen. Das sei sein „Vietnam“ gewesen, sagte Präsident Gamal Abdel Nasser, mehr als 10 000 tote Soldaten und Milliarden verschwendete US-Dollar später.
Über die einfachste Lösung spricht kaum jemand
Jahrzehnte danach erlebten die Saudis das gleiche Fiasko, als sie die Huthi in einer Allianz aus arabischen Staaten und mithilfe von Söldnern aus dem Sudan besiegen wollten. Was ihnen nicht gelang. Die Huthi vergruben sich in den Bergen und horteten ihre Waffen in langen Tunneln, wo sie auch heute noch für viele Bomben und Raketen der USA unerreichbar sind.
Die kündigen dennoch weitere Angriffe an. Obwohl laut New York Times „Beamte des Pentagons verbündeten Kollegen, Gesetzgebern und deren Adjutanten in geschlossenen Briefings mitgeteilt haben, dass das US-Militär nur begrenzten Erfolg bei der Zerstörung des riesigen Arsenals an Raketen, Drohnen und Trägersystemen der Huthi hatte“.
Was würde sie zum Aufgeben zwingen? Militärisch mögen sie unter starkem Druck sein. Ideologisch fühlen sie sich als Sieger, als letzter Widerstand gegen Israel. Finanziell halten sich die Kämpfer durch Steuern und Abgaben am Leben, die sie der eigenen Bevölkerung abpressen. Wenn überhaupt, wären ihre etwa 200 000 Kämpfer in einer Bodenoffensive zu schlagen, für die sich aber nach so vielen Jahren Krieg niemand erwärmen kann.
In den USA wächst mittlerweile auch in konservativen Kreisen die Befürchtung, dass die vielen Waffen, die gegen die Huthi recht erfolglos eingesetzt werden, eines Tages fehlen könnten, wenn es gilt, einen chinesischen Angriff auf Taiwan zu verhindern. Über die einfachste Lösung, das Huthi-Problem in den Griff zu bekommen, spricht kaum jemand. Als der Waffenstillstand Anfang des Jahres in Gaza hielt, stellten auch die Huthi ihre Angriffe ein.

