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Hungersnot in Ostafrika:UN starten Luftbrücke nach Somalia

Der Kampf gegen die Hungerkatastrophe hat begonnen: Nachdem der kenianische Zoll stundenlang alle Flugzeuge zurückgehalten hatte, durfte nun die erste Maschine des Welternährungsprogramms den Flughafen der Hauptstadt Nairobi mit Kurs auf Somalia verlassen. Die Maschine liefert zehn Tonnen Spezialnahrung für akut von der Hungersnot betroffene Kinder.

Stundenlang hatten die Flugzeuge der Vereinten Nationen auf dem Rollfeld in Nairobi festgesessen, weil der kenianische Zoll Probleme machte - dann endlich konnte die erste Maschine in Richtung Somalia abheben. Ein Flugzeug des Welternährungsprogramms (WFP) hat an diesem Mittwochnachmittag die Luftbrücke für hungernde Menschen in Somalia eröffnet. An Bord sind zehn Tonnen Hilfsgüter für das am schlimmsten von der Hungerskrise bedrohte Land.

Die Luftbrücke ist für die Menschen in Somaila überlebenswichtig, da Hilfslieferungen über den Landweg nahezu unmöglich sind. Der jahrelange Bürgerkrieg hat der Infrastruktur in vielen Gebieten stark zugesetzt, außerdem kontrollieren Milizen große Teile des Landes, was die Arbeit der Helfer besonders gefährlich macht.

Die Maschine des WFP hat Nahrungsmittel speziell für unterernährte Kinder geladen. In den kommenden Tagen sollen per Luftbrücke weitere 74 Tonnen nach Somalia transportiert werden, insgesamt wird erwartet, dass mit den Lieferungen mehrere tausend Kinder einen Monat lang ernährt werden können.

Wie die UN-Hilfsgüter nach der Landung auf dem Flughafen der somalischen Hauptstadt Mogadischu genau verteilt werden sollen, ist noch unklar. Der Ministerpräsident der somalischen Übergangsregierung, Mohamed Abdullahi Mohamed, sagte dem Sender BBC, er und seine Mitarbeiter wollten eng mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten, damit die Nahrungsmittel der Luftbrücke da ankämen, wo sie nötig seien. "Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, damit wir die bedürftigen Menschen erreichen."

Wie es mit den Notleidenden in den von der islamischen Al-Shabaab-Miliz kontrollierten Gebieten im Süden weitergehen soll, auf die die Regierung keinen Einfluss hat, konnte der Ministerpräsident nicht sagen.

UN beziffert Hilfsbedarf auf zwei Milliarden Dollar

Die Hungerkrise am Horn von Afrika spitzt sich unterdessen weiter zu. Allein in Somalia sind etwa 3,7 Millionen Menschen betroffen. In Dschibuti, Äthiopien, Kenia und Uganda leiden ebenfalls Millionen Menschen unter der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren. UN-Vertreter bezifferten den Hilfsbedarf bis Jahresende auf rund zwei Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro).

Über die nun angelaufene Luftbrücke wollen die Vereinten Nationen in den kommenden Tagen auch Gebiete in Äthiopien und im kenianischen Grenzgebiet versorgen.

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