Hungersnot "Akute Gefahr" für eine halbe Million Kinder

In Genf begann am Dienstag eine Geberkonferenz für Jemen.

(Foto: dpa)

Knapp 1,9 Milliarden Euro soll die Weltgemeinschaft für das Bürgerkriegsland Jemen spenden. Das Geld wird dringend gebraucht. Deutschland will seine Untersützung erhöhen.

Eine Tragödie immensen Ausmaßes - das sind die Worte, die UN-Generalsekretär António Guterres gleich zum Auftakt der Konferenz wählt. In Genf treffen an diesem Dienstagvormittag Diplomaten vieler Länder zusammen, um künftige Lebensmittelhilfen für das Bürgerkriegsland zu diskutieren. Mit Geberkonferenzen versuchen die Vereinten Nationen regelmäßig, den Tod von Millionen Hungernden auf der ganzen Welt abzuwenden - doch häufig greifen die Hilfen zu kurz.

Auch diesmal könnte es wieder so kommen. 1,9 Milliarden Euro will Generalsekretär Guterres, unterstützt von Diplomaten aus Schweden und der Schweiz, einsammeln. Doch der Weg ist noch weit, bis zu Beginn der Konferenz waren erst 15 Prozent der Summe zusammengekommen. Immerhin: Gegen Mittag erklärt die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, dass Deutschland seinen Beitrag erhöhen werde. 50 Millionen Euro sollen dieses Jahr aus Berlin nach Jemen fließen.

Das Geld wird dringend benötigt. Das Kinderhilfswerk Unicef sagte am Dienstag, die Hilfe für die rund 2,2 Millionen mangelernährten Kinder in Jemen sei ein "Wettlauf gegen die Zeit". Insgesamt wüssten rund sieben Millionen Menschen in dem Land nicht, "wo sie die nächste Mahlzeit bekommen können" (severely food insecure). Für eine halbe Million Kinder bestehe "akute Lebensgefahr".

Ein Stellvertreterkrieg macht den Menschen das Leben zur Hölle

Die Ursachen für den Hunger sind oft menschengemacht, so ist es auch in Jemen. Seit drei Jahren tobt dort ein verheerender Bürgerkrieg. Der Konflikt hat schon mehr als 15 000 Opfer gefordert, darunter auch geschätzt 10 000 Zivilisten. Zwei Parteien nehmen für sich in Anspruch, die rechtmäßige Regierung zu stellen: Houthi-Rebellen bekämpfen von der offiziellen Landeshauptstadt Sanaa aus die Regierung Abdrabbuh Mansur Hadis, der bis Kriegsbeginn das gesamte Land regierte. Zusätzlich halten militante Islamisten große Landesteile unter ihrer Kontrolle.

2015 intervenierte eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition auf Seiten der jemenitischen Regierung. Unterstützt werden die Saudis unter anderem von den USA, Großbritannien und Frankreich. Seither entwickelt sich der Konflikt zunehmend zu einem Stellvertreterkrieg, in dem die Houthi Unterstützung von Iran erhalten, während Saudi-Arabien Luftangriffe auf Rebellenstellungen fliegt.

Die Infrastruktur Jemens wird durch den Krieg zunehmend zerstört. Das ist umso problematischer, als 90 Prozent der Lebensmittel aus dem Ausland importiert werden. Sinnbildlich hierfür steht der Hafen in Al Hodaidah: Seit er von Houthi-Rebellen besetzt ist, wird er von saudischen Schiffen blockiert, aus Angst, über ihn könnten auch Waffen für den Gegner importiert werden. Dazu plagt die Jemeniten die hohe Inflation, die die Wirtschaft in Teilen des Landes zum Erliegen gebracht hat.

Auch diesmal könnte die Weltgemeinschaft Zeuge werden, wie eine ganze Generation von Kindern bleibende Schäden davontrage, warnt Guterres am Dienstag in Genf. "Wir sind hier, um Hoffnung zu schaffen", beschwört er die Teilnehmer. Bleibt zu hoffen, dass sein Appell nicht verhallt.

Jemen Fast 500 000 Kinder in Jemen in akuter Gefahr

Unicef-Bericht zu Jemen

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Einem Unicef-Bericht zufolge hat sich die Zahl der Kinder, die in Jemen in Lebensgefahr schweben, seit 2014 verdreifacht. Armut, Hunger und Krankheit wirken immer katastrophaler.