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Hunger:Banger Blick nach Norden

Warum reiche Staaten mehr helfen müssen.

Von Anna Reuß

Gerade in dieser Woche beunruhigt die Nachricht besonders: Erst vor wenigen Tagen verlieh das norwegische Komitee unerwartet dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) den Friedensnobelpreis. Nun ist klar: 2020 steigt die Zahl der Hungernden weltweit erstmals seit fünf Jahren wieder. Dass fast 700 Millionen Menschen nicht genug zum Essen haben, liegt Hilfsorganisationen zufolge auch an Corona. Doch wer den Negativtrend nur mit dem Virus begründet, macht es sich zu leicht.

Covid-19 machte auf einen Schlag alles komplizierter. Grenzen und Häfen wurden dichtgemacht, Hilfslieferketten unterbrochen. Vielen Menschen im informellen Sektor brach von heute auf morgen das Einkommen weg. Doch es wäre naiv zu glauben, mit einem Impfstoff werde die Zahl der Menschen, die mit leerem Magen zu Bett gehen müssen, wieder sinken.

Der globale Hunger wird durch eine ganz andere Krise in viel größerem Ausmaß verstärkt: Der menschengemachte Klimawandel verschärft Konflikte um ohnehin knappe Ressourcen. Bewältigen lässt sich die daraus resultierende Hungerkrise nur durch Solidarität. Nur wenn die reichen Staaten im globalen Norden ihrer Verantwortung nachkommen, können die Vereinten Nationen ihr Ziel, den Hunger in der Welt bis 2030 einzudämmen, noch erreichen.

© SZ vom 16.10.2020
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