Humboldt-Forum Leeres Versprechen

Beim ambitioniertesten deutschen Kulturprojekt seit Jahrzehnten gerät der Inhalt zum bloßen Beiwerk.

Von Jörg Häntzschel

Mit der Eröffnung des Humboldt-Forums im November wird es sich umgekehrt verhalten wie mit dem Auftritt des nackten Kaisers in Hans Christian Andersens berühmtem Märchen. Das Humboldt-Forum wird nur Kleid sein, was fehlt, ist der Inhalt. Der Bau wird wohl fertig, doch die Ausstellungen wird man erst nächstes Jahr sehen können. Offenbar ist es den Verantwortlichen lieber, ein leeres Haus zu eröffnen als die Eröffnung zu verschieben.

Und das, wo solche Verzögerungen bei einem Projekt, das über eine halbe Milliarde Euro kosten wird, weder ungewöhnlich noch ehrenrührig sind. Peinlich ist hingegen, wie die Fertigstellung der aus der Zeit gefallenen Schlosskopie zur Hauptsache stilisiert und der Inhalt zum bloßen Beiwerk degradiert wird.

Ohnehin ist das Raumklima hier das kleinste Problem. Die Eröffnung des ambitioniertesten deutschen Kulturprojekts seit Jahrzehnten fällt in eine Zeit der Debatten über Globalisierung, Migration und das Erbe des Kolonialismus - lauter Themen, die im Humboldt-Forum verhandelt werden müssten, dort aber eher als lästig begriffen werden. Statt Deadlines hinterherzuhecheln, hätten die Verantwortlichen längst eingestehen sollen, dass sie mehr Zeit brauchen, um ein überzeugendes inhaltliches Konzept zu finden.