Horst Seehofer Bitte, bitte nicht mehr böse sein

Horst Seehofer gibt gern den starken Mann - nicht zum Wohlgefallen von Angela Merkel.

(Foto: Sean Gallup/Getty Images)

CSU-Chef Seehofer will sich mit Angela Merkel und der CDU versöhnen. Wirklich?

Kommentar von Nico Fried, Berlin

Horst Seehofer hat das Verhältnis zwischen CDU und CSU zur Chefsache erklärt. Das war es in den vergangenen Monaten eigentlich schon, schließlich hat der Chef der einen Partei praktisch im Wochenrhythmus die Chefin der anderen Partei kritisiert. Jetzt aber steht Versöhnung auf der Agenda, und da soll niemand mehr aus der zweiten oder dritten Reihe dazwischenquatschen, wie es Seehofer formuliert hat.

Abgesehen von dem belustigend archaischen Herrschaftsverständnis, das daraus spricht, fallen einem natürlich sofort einige Leute aus diesen hinteren Reihen ein, denen ein Redeverbot aufzuerlegen eine wirkliche segensreiche Entscheidung Seehofers wäre: Andi Scheuer zum Beispiel, sein Generalsekretär. Markus Söder, sein ungeduldiger Nachfolgeaspirant. Oder Alexander Dobrindt, der sich mit Kritik an der CDU stets couragiert hinter den abgefahrenen Zug geworfen hat.

Wahrscheinlicher ist aber, dass Seehofer Leute wie Wolfgang Schäuble meint. Der hat zuletzt in einer Eindeutigkeit der Schwesterpartei die Verantwortung für das schlechte Erscheinungsbild gegeben, mit der er den CSU-Chef an die Grenze der Irrationalität rückte.

Seehofers Äußerungen richten sich vor allem gegen die Wahrnehmung, er sei ein unversöhnlicher Querulant. Dass es mit Merkel wieder ein Fundament des Vertrauens gebe, wie er sagt, ist einstweilen jedoch nicht mehr als eine Behauptung.

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