Der frühere Links- und spätere Rechtsextremist Horst Mahler ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Das sagte Rechtsanwalt Jan Dollwetzel, der Mahler zuletzt in einem Prozess 2023 vertreten hatte, der Deutschen Presse-Agentur. Mahler sei am Sonntagnachmittag in Berlin in einem Krankenhaus gestorben. Zuvor hatte bereits die rechtsextreme Partei Die Heimat (früher NPD) seinen Tod bekannt gegeben.
Mahler wurde am 23. Januar 1936 im schlesischen Haynau (heute Chojnów in Polen, Woiwodschaft Niederschlesien) geboren. Nach dem Krieg wuchs er zunächst im sachsen-anhaltischen Roßlau/Elbe auf. Sein Vater war überzeugter Nationalsozialist und nahm sich 1949 das Leben. Daraufhin siedelte die Familie nach West-Berlin über.

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Mahler engagierte sich in den 1960er-Jahren in der westdeutschen Studentenbewegung und vertrat unter anderem deren Wortführer Rudi Dutschke als Anwalt. 1970 gründete Mahler zusammen mit Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof die linksextremistische Rote Armee Fraktion (RAF), die zahlreiche Banküberfälle und Anschläge verübte. Nach seiner Verhaftung übernahm der spätere Bundesinnenminister Otto Schily die Verteidigung.
Während einer zehnjährigen Haftstrafe distanzierte Mahler sich von seiner terroristischen Vergangenheit in der RAF. Nach zehn Jahren kam er vorzeitig frei. 1987 wurde er mithilfe seines Verteidigers, des damaligen Juso-Vorsitzenden und späteren SPD-Bundeskanzlers Gerhard Schröder, wieder als Anwalt zugelassen.
Mahlers drastischer Seitenwechsel
In den 1990er-Jahren wandte sich Mahler dem Rechtsextremismus zu. Er vertrat antisemitische und nationalistische Ansichten. Anfang des neuen Jahrtausends wurde er für einige Jahre Mitglied der NPD und vertrat die Partei im ersten Verbotsverfahren gegen sie vor dem Bundesverfassungsgericht.
Mahler wurde eine der schillerndsten Figuren der rechtsextremen Szene und leugnete den Holocaust. Erneut wurde ihm die Zulassung als Anwalt entzogen, mehrmals wurde er wegen Volksverhetzung verurteilt und verbrachte weitere Jahre im Gefängnis.
Seine Freiheitsstrafen saß er von 2009 bis Oktober 2020 mit einer Haftunterbrechung in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg/Havel ab. 2015 wurde seine Haft wegen einer schweren Erkrankung unterbrochen. Als er die Strafe im April 2017 wieder antreten sollte, floh der damals 81-Jährige nach Ungarn und bat dort vergeblich um politisches Asyl. Nach seiner Auslieferung im Sommer 2017 musste Mahler seine Reststrafe absitzen. Im April 2023 wurde ein weiterer Prozess gegen ihn wegen seiner schweren Krankheit vorläufig eingestellt – und angesichts seines Gesundheitszustandes nicht wiederaufgenommen.

