Berlin Merkels Mann geht

Angela Merkel hat zweimal versucht, Horst Köhler umzustimmen - ihren Mann im Präsidentenamt. Erfolglos. Viel Zeit bleibt jetzt nicht, um einen Nachfolger zu nominieren.

Von Stefan Braun, Berlin

Angela Merkel hat es versucht. Wie es heißt, hat die Kanzlerin sogar zweimal den Versuch unternommen, Horst Köhler umzustimmen. Immerhin ist der Mann ihr Mann fürs höchste Staatsamt gewesen. Beim ersten Mal hat er sie angerufen, um seine Entscheidung mitzuteilen. Beim zweiten Mal ist sie es, die ihn mit guten Argumenten halten möchte. Und das auch, weil die Kanzlerin einfach nicht verstehen kann, weshalb die Wirren der letzten Tage tatsächlich einen Rücktrittsgrund hergeben sollten.

Angela Merkel hat es versucht. Doch der Kanzlerin ist es nicht gelungen, Horst Köhler umzustimmen.

(Foto: dpa)

Geholfen aber hat das alles nicht, sieht man einmal davon ab, dass Köhlers Entschluss wenigstens ein paar Stunden lang ziemlich geheim gehalten werden konnte. Dass da was im Busche sein könnte, ahnten die Mitglieder des CDU-Präsidiums zwar, weil die Kanzlerin die Sitzung mehrfach verließ, um zum Handy zu greifen. Von Köhlers finalem Coup aber erfuhren die allermeisten trotzdem erst nach der Sitzung. Und kaum war die vorbei, setzte sich Merkel mit einigen Vertrauten zusammen, um die ganz neue Lage einzuordnen. Alle in dieser Runde, zu der Generalsekretär Hermann Gröhe und Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier, aber auch der eine oder andere CDU-Ministerpräsident gehörten, wissen: Viel Zeit bleibt nicht, um einen Nachfolger zu nominieren. Zum einen, da gerade mal 30 Tage bleiben, um die Bundesversammlung einzuberufen. Noch viel unangenehmer aber könnte für Merkel eine heftige Personaldebatte in den eigenen Reihen werden - jetzt, da sie eigentlich ganz andere Probleme zu lösen hat.

Noch freilich lässt sich weder der Kanzlerin noch anderen in der CDU-Führung offiziell etwas entlocken. Nur hinter den Kulissen kursieren einige Namen, alle mit einem Fragezeichen. An vorderster Stelle steht Ursula von der Leyen. Tatsächlich gilt die derzeitige Bundesarbeitsministerin mittlerweile als echtes Alphatier, als beliebt, entschlossen, selbstbewusst und genügend ehrgeizig, um sich das zuzutrauen. Allerdings zählt die Ministerin nicht zu den großen Rhetorikern. Sie ist nicht wegen ihrer Reden, sondern wegen ihres politischen Einsatzes bekannt geworden.

Sollte Merkels Wahl auf von der Leyen fallen, müsste sie im Kabinett eine Lücke füllen. Dabei wäre nicht ausgeschlossen, dass die Kanzlerin versucht sein könnte, mit der dann nötigen Neubesetzung gleich noch ein Problem zu lösen. Würde sie den bisherigen Düsseldorfer Regierungschef Jürgen Rüttgers zum neuen Arbeitsminister machen, hätte die CDU Nordrhein-Westfalen einen zusätzlichen Trumpf in der Hand, um die SPD in den gegenwärtigen Gesprächen für eine Zusammenarbeit zu gewinnen.

Ebenfalls ins Gespräch kommen könnte eine Kandidatin, die bereits 2004 zum Kreis derer gehörten, die jedenfalls als Vielleicht-Kandidaten gehandelt wurden: Bundesbildungsministerin Annette Schavan, die stellvertretende CDU-Vorsitzende. Sie gehört nach wie vor zum engsten Kreis der Kanzlerin. Aber ob sie, die zuletzt in den CDU-geführten Bundesländern immer wieder Kritik provozierte, wirklich sicher gewählt würde, ist keineswegs sicher.

Harte männliche Konkurrenz geht derzeit vor allem von zwei Kandidaten aus: dem derzeitigen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert und dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff. Lammert ist ehrgeizig und selbstbewusst genug, um sich das Amt jederzeit zuzutrauen. Außerdem gilt er als guter, manchmal auch pathetischer Redner und müsste sich, schon jetzt ausgestattet mit einigen Insignien staatlicher Macht, kaum mehr umstellen. Gegen eine Berufung spricht, dass Lammert zuletzt in der Fraktion immer wieder gegen Merkel aufgestanden war - die Kanzlerin könnte vor so viel Widerspruch zurückschrecken. Ein Bundespräsident Lammert wäre ganz sicher kein einfacher Partner. Andererseits genießt Lammert gerade in der Fraktion nicht unerheblich Sympathie, gerade weil er den Mumm hat, immer wieder gegen den Strich zu bürsten.

Und dann ist da der fast schon letzte Mohikaner unter den einst starken CDU-Ministerpräsidenten: der Niedersachse Christian Wulff. Er hat erstens genügend Sympathien in Partei und Bevölkerung, und er kann sehr wohl darauf verweisen, dass er anders als viele Kollegen sein Haus in Hannover bestellt hat. Der Nachfolger David McAllister führt in Niedersachsen Partei und Fraktion, außerdem ist Wulff durchaus in der Lage, auch gute Reden zu halten. Allerdings hat er entgegen aller leisen und lauten Dementis durchaus den Ehrgeiz, dereinst vielleicht doch Angela Merkel als Kanzler nachzufolgen. Ein Wechsel jetzt ins Schloss Bellevue würde das ausschließen. Spötter behaupten schon, dass das für Merkel ein guter Grund sein könnte, ihn tatsächlich zum Präsidenten zu machen.

Rücktritt des Präsidenten

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