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"Hooligans gegen Salafisten" in Hannover:Und sie demonstrieren doch

  • In Hannover findet am Samstag eine Demonstration von Hooligans mit geschätzt 5000 Teilnehmern statt.
  • Eine ähnliche Veranstaltung war vor Kurzem in Köln eskaliert - deswegen sind die Auflagen streng.
  • Es sind zahlreiche Gegendemonstrationen angemeldet, darunter eine Kundgebung des Bündnisses "Bunt statt Braun".

Von Hannah Beitzer

Wie die Demonstration in Hannover zustande kam

Am 15. November geht's auf nach Hannover. "Was Ihr mitnehmen müsst? Freunde, was zu essen für zwischendurch, ganz wichtig ist Wasser (...)" und natürlich "Gute Laune". Dieser Facebook-Post, der sich anhört wie die Einladung zu einem Kindergeburtstag, ruft zu einer Veranstaltung auf, die Polizei, Politik und Medien seit Wochen - gelinde ausgedrückt - Unbehagen bereitet: einer Demonstration der Gruppe "Hooligans gegen Salafisten".

Eine ähnliche Veranstaltung war vor einigen Wochen in Köln eskaliert, Dutzende Polizisten waren verletzt worden. So groß das Entsetzen in der Öffentlichkeit war, so groß war das Triumphgeheul in den Hooligan-Netzwerken. Die "Hogesa", wie sich die Gruppe abkürzt, kündigte weitere Demonstrationen an.

Es sollte nach Berlin gehen und nach Hamburg. Die Anmeldung in Berlin war allerdings ungültig, der angebliche Anmelder distanzierte sich von der Veranstaltung. In Hamburg gab es tatsächlich einen Veranstalter, der jedoch die Anmeldung zurückzog. Es erschien ihm im Nachhinein doch keine gute Idee, mit der Gruppe, der auch Neonazis angehören, ausgerechnet durch das linke St. Pauli zu marschieren. Und so blieb also Hannover.

Die Polizei der niedersächsischen Landeshauptstadt versuchte, die Demo verbieten zu lassen. Es drohten Krawalle und Ausschreitungen, schließlich seien die Teilnehmer - ein ähnlicher Kreis wie der im Oktober in Köln - gewaltbereit, warnte sie.

Doch das Verwaltungsgericht entschied anders. Auch wenn die Veranstalter der Hogesa zuzurechnen seien, führe ein absolutes Verbot zu weit. Allerdings findet die Demo nun nicht wie geplant als Protestzug, sondern als stationäre Kundgebung vor dem Zentralen Omnibusbahnhof statt. Dort sei sie für die Polizei leichter zu kontrollieren, argumentiert das Gericht.

So bereiten sich Polizei und Anwohner auf den Einsatz vor

Die Polizei hat gegen den Beschluss des Gerichts keinen Widerspruch eingelegt, "insbesondere weil unsere Gefahrenprognose gestützt wird", sagt Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe. Nun bereiten sich die Sicherheitskräfte auf den Einsatz bei einer Demonstration vor, deren Teilnehmerzahl sie auf 5000 schätzt. Das wären etwas mehr als in Köln.

Es sollen diesmal auch deutlich mehr Beamte vor Ort sein. In Köln waren etwa 1500 Beamte im Einsatz gewesen. Hannover erhält nun Unterstützung aus anderen Bundesländern. Die genaue Zahl der Einsatzkräfte will die Polizei allerdings noch nicht nennen.

Zudem hat die Polizei strenge Auflagen für die Kundgebung erlassen. Sie will die Demonstranten vor Beginn nach gefährlichen Gegenständen durchsuchen, wozu auch Glas gehört. Außerdem ist sowohl das Trinken als auch die Mitnahme von Alkohol verboten. Die Auswahl der Ordner werde genau geprüft. Ein Konzert der Bremer Band "Kategorie C", die der rechtsextremen Hooligan-Szene zugeordnet wird, wurde abgesagt.

Auch die anliegenden Geschäfte und Hotels bereiten sich auf die Demontration vor. In Köln hatten Demonstranten Scheiben von Lokalen eingeschlagen und auf der Straße randaliert. "Wir müssen uns um die Sicherheit unserer Gäste und Mitarbeiter kümmern", zitiert die Nachrichtenagentur dpa die Sprecherin einer Hotelkette, die zwei Häuser in der Nähe des Kundgebungsortes betreibt.

Das Unternehmen biete den Gästen an, am Samstag in andere Filialen in der Stadt umquartiert zu werden oder Reservierungen zu stornieren. Zudem plane der Hotelbetreiber, sämtliche Glasfassaden während der Veranstaltung zu verbarrikadieren. Andere Läden wollen demnach erst einmal abwarten, wie die Demonstration abläuft, bevor sie über eine Schließung nachdenken.

18 Organisationen und Privatpersonen melden Gegendemos an

Die Befürchtungen der Polizei entkräften die Veranstalter nicht. Im Facebook-Aufruf heißt es: "Bitte provoziert untereinander keinen Stress. (...) Passt aber bitte auf größere Gruppen 'Antifaschisten und Geistig Behinderte' auf." Damit beziehen sie sich auf die Gegendemonstrationen, die von insgesamt 18 Organisationen und Privatpersonen bisher bei der Polizei angemeldet wurden.

Darunter ist zum Beispiel eine Kundgebung des Bündnisses "Bunt gegen Rechts" auf dem Platz an der Goseriede, die der DGB angemeldet hat. An ihr beteiligen sich zum Beispiel die Fraktionen des Landtags, Vertreter verschiedener Glaubensrichtungen und Stefan Schostok, Oberbürgermeister der Stadt Hannover.

Eine weitere Gegendemonstration trifft sich um zehn Uhr am Steintorplatz. Hier versammeln sich größtenteils linke Gruppen. Über soziale Netzwerke trommeln auch Antifa-Gruppen aus ganz Deutschland für Gegendemonstrationen in Hannover.

© SZ.de/mcs

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