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Hooligans:Gefährder im Stadion

Es spricht nichts gegen zwei Tage Vorbeugehaft.

Von Claudio Catuogno

Die Fußball-Nationalmannschaft hat in Prag ein beachtliches Zeichen gesetzt. Sie verweigerte nach ihrem Sieg in der WM-Qualifikation gegen Tschechien den sogenannten Gang in die Kurve - wegen dumpfer Nazi-Gesänge von einem Teil der mitgereisten Fans.

In unserem Namen brüllt keiner "Sieg Heil": Insbesondere die Spieler Mats Hummels und Julian Brandt haben das deutlich und deutlich angewidert formuliert, später auch der DFB-Präsident und der Bundestrainer. Dass im Schlepptau einer Mannschaft, die im deutschen Namen Fußballsiege erringt, braunes Volk unterwegs ist, kommt leider regelmäßig vor. Einmalig ist die Schärfe der Distanzierung. Das ist gut. Die Frage ist aber, ob es reicht. Sie stellt sich den Behörden.

Viele Anstifter sind polizeibekannt, es gibt Hooligan-Dateien. An Erkenntnissen fehlt es oft nicht, eher an den richtigen Maßnahmen, das ist beim Fußballmob kaum anders als bei Krawalltouristen, die zum G-20-Gipfel pilgern, oder bei islamistischen Gefährdern. Wer schon mal mit Wehrmachtsliedern und Reichskriegsflagge durch eine europäische Innenstadt gezogen ist, von dem sollten die Sicherheitsbehörden wissen wollen, was er beim nächsten Länderspiel vorhat, und wenn er dann an der Grenze auftaucht, spricht nichts gegen zwei Tage Vorbeugehaft. Auch diese Leute sind Gefährder - sie gefährden den Ruf Deutschlands, weit über den Fußball hinaus.

© SZ vom 04.09.2017

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