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Hongkong:Demokratie-Aktivist Joshua Wong kurzzeitig festgenommen

Joshua Wong auf einem Archivbild von 2019

(Foto: AFP)

Die Polizei lässt Wong nach wenigen Stunden wieder frei. Ihm wird offenbar vorgeworfen, im vergangenen Jahr an einer nicht genehmigten Versammlung teilgenommen und gegen ein Vermummungsverbot verstoßen zu haben.

Der Hongkonger Demokratie-Aktivist Joshua Wong ist kurzzeitig festgenommen worden. Wong gilt als Symbolfigur der Demokratiebewegung in der chinesischen Sonderverwaltungszone.

Das Team des 23-jährigen Aktivisten gab via Twitter bekannt, dass Wong vorgeworfen werde, an einer nicht genehmigten Versammlung im vergangenen Oktober teilgenommen zu haben. Außerdem soll er damals gegen ein Vermummungsverbot verstoßen haben.

Etwa zwei Stunden später war Wong wieder auf freiem Fuß und gab auf der Straße eine kurze Stellungnahme ab. Wie auf einem von AFP veröffentlichten Video zu sehen ist, erklärte Wong, er werde "weiterhin Widerstand leisten". Der Deutschen Presse-Agentur schrieb der Aktivist: "Ich bin jetzt in Sicherheit."

Wong wollte bei der Hongkonger Parlamentswahl antreten, die eigentlich für den 6. September angesetzt war. Die Abstimmung wurde jedoch um ein ganzes Jahr verschoben, offiziell begründet wurde dieser Schritt mit der Corona-Pandemie.

China hatte Ende Juni ein hoch umstrittenes Sicherheitsgesetz für Hongkong verabschiedet. Es richtet sich gegen Aktivitäten, die die Kommunistische Partei als subversiv, separatistisch oder terroristisch ansieht. Es ist der bisher weitestgehende Eingriff in Hongkongs Autonomie und gibt Pekings Staatssicherheit weitreichende Vollmachten. Hongkongs demokratische Opposition geht davon aus, dass das Gesetz auf sie abzielt. Mehrere bekannte Anhänger der Protestbewegung waren bereits vor einigen Wochen festgenommen und später gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Andere prominente Anhänger der Demokratiebewegung haben Hongkong vorsorglich verlassen.

Im vergangenen Jahr hatte es große Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungszone gegen den zunehmenden Einfluss Pekings gegeben. Seit der Rückgabe der früheren britischen Kronkolonie an China im Jahr 1997 war Hongkong autonom mit eigenen Freiheitsrechten regiert worden. Aus Sicht von Kritikern bedeutet das Staatssicherheitsgesetz das Ende des seit der Rückgabe verfolgten Grundsatzes "ein Land, zwei Systeme".

© SZ/dpa/jael/gal
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