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Hongkong:"Weg ohne Umkehr"

Demonstranten am Flughafen in Hongkong.

(Foto: AFP)

Während Demokratie-Aktivisten den zweiten Tag in Folge den Flughafen der Stadt lahmlegen, eskaliert Peking verbal.

Alles dicht: Demokratieaktivisten haben am Dienstag erneut den Hongkonger Flughafen lahmgelegt. Der internationale Airport der chinesischen Sonderverwaltungszone ließ am Dienstag alle verbliebenen Flüge aus der Stadt heraus ausfallen - den zweiten Tag in Folge. Ankommende Flüge waren nicht betroffen. Am Abend kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. Dutzende Beamte drangen in den Flughafen ein, die Demonstranten errichteten Barrikaden.

Kurz darauf zog sich die Polizei zurück. Die Demonstranten hatten die Terminals in Beschlag genommen, um auf die von ihnen geforderten demokratischen Reformen aufmerksam zu machen. Die Proteste am Flughafen sind eine Eskalation der Demonstrationen, die bereits den ganzen Sommer andauern. Anfangs richteten sie sich gegen ein Gesetz, mittlerweile befürchten Demonstranten, die kommunistische Zentralregierung habe vor, die vertraglich gesicherten Bürgerrechte in der Sonderverwaltungszone einzuschränken. Das gewaltsame Vorgehen der Polizei gegen die Aktivisten trug zur Eskalation bei. Seit Anfang Juni sind mehr als 700 Menschen festgenommen worden. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, ließ mitteilen, Hongkongs Polizei habe offenbar nicht-tödliche Waffen auf eine Weise eingesetzt, die durch internationale Normen verboten sei.

Peking verschärft seit Tagen seinen Ton im Umgang mit der Protestbewegung, bezeichnet sie als etwas, das an "Terrorismus" herankomme. Auch die dortige Regierungschefin Carrie Lam, deren Rücktritt viele Demonstranten fordern, gibt sich nicht versöhnlicher: Das Chaos und die Gewalt hätten die Stadt "auf einen Weg ohne Umkehr" gebracht. "Hongkong als offene, freie, sehr tolerante, wirtschaftlich stabile Stadt wird schwere Wunden davontragen", sagte sie am Dienstag, "die Erholung könnte lange dauern."

Am Abend twitterte US-Präsident Donald Trump, China habe Truppen an die Grenze zu Hongkong verlegt. Darüber sei er von den US-Geheimdiensten informiert worden. Er mahnte, alle "sollten ruhig und sicher sein".