Hongkong:Die Daten der anderen

Zum ersten Mal stellen sich die großen sozialen Netzwerke und Kommunikationsdienstleister China entgegen. Nicht aus politischen Gründen, sondern weil sie ihr Geschäftsinteresse gefährdet sehen. Der Konflikt Chinas mit dem Westen beginnt die Datenwelt zu teilen.

Von Stefan Kornelius

Hongkong verliert seinen freien Geist in atemberaubendem Tempo. Schulen sperren Bücher weg, Bibliotheken durchkämmen das Sortiment, Auslandskorrespondenten bangen um ihre Sicherheit - von den Hongkonger Journalisten ganz zu schweigen. Nun ziehen die großen Datenkonzerne eine bemerkenswerte Konsequenz aus dem von Peking erlassenen Sicherheitsgesetz: Sie verweigern den Behörden den Zugriff auf ihre Daten, nicht zuletzt, weil das Sicherheitsgesetz ein Willkürakt ist, kein klar definierter Rechtsakt.

Soziale Medien waren kommunikativer Treiber bei den Hongkonger Protesten, digitale Kommunikation lässt sich nicht so einfach mit Panzern vertreiben wie Demonstranten auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Allerdings gilt auch: Digitale Kommunikation legt eine Spur für die Verfolgungsbehörden.

Erstmals haben sich nun Plattformen - Microsoft, Facebook, Twitter und selbst Zoom - kollektiv für die Freiheit entschieden. Eine Glaubenssache steckt dahinter nicht unbedingt, sondern blankes Geschäftsinteresse. Kontrolle üben die Konzerne selbst ja auch gerne aus. Sie wollen die Hoheit über ihr Geschäftsmodell bewahren - und nicht Subunternehmer der Volksrepublik werden. Der Konflikt Chinas mit dem Westen beginnt die Datenwelt zu teilen.

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