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Homosexuelle in der CDU:"Man kann politisch schwarz und schwul sein"

Mit dem Vorstoß von Familienministerin Kristina Schröder gerät die Homo-Ehe in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Schwule und lesbische Mitglieder in der Union organisieren sich aber schon seit Jahren dafür - in der LSU. Im Gespräch mit "Süddeutsche.de" erklärt Vize-Vorsitzender Thomas M. Steins, wie Parteifreunde auf Outings reagieren.

Lesben und Schwule in der Union organisieren sich seit 1998 in der LSU, die bislang weniger als 1000 Mitglieder zählt. Die Gruppe erhielt zuletzt größeren Zulauf durch prominente Unterstützer aus der CDU. Ein Kernanliegen der LSU ist die steuerliche Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften mit der Ehe, ein Thema, das derzeit die Union spaltet. Süddedeutsche.de sprach mit dem Vize-Vorsitzenden der LSU Thomas M. Steins.

Homosexualität, Christopher Street Day in München

Teilnehmer des Münchner Christopher Street Days 2005 zeigen: Homosexualität und als konservativ verschriene bayerische Tracht passen doch zusammen.

(Foto: dpa/dpaweb)

Süddeutsche.de: Herr Steins, Sie sind schwul und Mitglied in der CDU - warum?

Thomas M. Steins: Aus mehreren Gründen: die Europapolitik, das Bekenntnis zur Deutschen Einheit, die transatlantische Freundschaft...

SZ: ...die Familienpolitik unter Helmut Kohl?

Steins: (lacht) Wegen der weniger. Vor allem aber, weil ich das christliche Menschenbild für eine prima Sache halte und das richtige Leitbild für Politik. Und weil die CDU das Prinzip vertritt, wonach jede kleine Zelle, jedes Gemeinwesen seine Aufgaben erst mal lieber selber bewältigen soll. Das gilt natürlich für Menschen, die für einander Verantwortung übernehmen. Es entspricht der CDU-Logik also zu 100 Prozent, dass man Lebenspartner fördert, die in guten wie in schlechten Tagen einander helfen und fördern. So werden Werte bewahrt, konservative Werte.

SZ: Seit 1998 gibt es die LSU. Wie reagieren heterosexuelle Parteifreunde auf Sie?

Steins: Eigentlich recht gut. Manche hatten wissentlich vorher gar keine Homosexuellen kennengelernt und waren überrascht: Sie hatten nur das Bild von Schwulen und Lesben auf dem Christopher Street Day. Viele haben auch erst nach einigen Jahren bemerkt, dass es uns gibt. Das hat sich geändert, auch dank prominenter Unterstützer wie Ole von Beust, Rita Süssmuth, Ingrid Sehrbrock, Regina Görner und Peter Altmaier.

SZ: Nun ist ein Kernanliegen der LSU dominierendes Thema in der Union: Glauben Sie, dass der Appell von 13 Bundestagsabgeordneten, homosexuelle Partnerschaften mit der Ehe steuerlich gleich zu stellen, etwas bewirkt?

Steins: Da geht auf jeden Fall etwas, zumindest in der CDU. Die Zeit ist einfach reif, das zeigt sich auch an der Reihe der bisherigen Unterstützer wie Familienministerin Kristina Schröder oder dem baden-württembergischen CDU-Chef Thomas Strobl. Wir wissen auch von weiteren prominenten Parteifreunden auf unserer Seite, die das hoffentlich auch öffentlich unterstützen werden.

SZ: Wenn es um Gesetze ging, blieb die CDU in dieser Frage bislang starr: Zuletzt wurde ein entsprechender Antrag der Grünen im Bundestag abgelehnt.

Steins: Die CDU ist auf jeden Fall auf dem richtigen Weg. Bei vielen hat ein Bewusstseinswandel stattgefunden. Sicherlich hilft auch die Tatsache, dass nach dem 1. Senat auch der 2. Senat des Bundesverfassungsgerichts in dieselbe Kerbe geschlagen hat. Man will ja nicht ständig von Karlsruhe zum Glück gezwungen werden.

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