Homosexualität unter Strafe:Ein Sieg für eine "gottesfürchtige Nation"

Es sind religiös konzipierte Staaten, die sich dagegenstemmen - Staaten, die sich Staatsminister für Ethik und Anstand halten wie Uganda und auch "göttliche" Interessen mit ihrem Strafrecht schützen. "Ein Votum gegen den Teufel" habe Ugandas Parlament gerade abgegeben, sagte der Abgeordnete David Bahati, der hinter der Gesetzesinitiative dort steht. "Dies ist ein Sieg für Uganda und unsere gottesfürchtige Nation."

Als im Sommer 1972 die Fahnenträger aus aller Welt in das Münchner Olympiastadion einzogen, da war die Strafbarkeit von homosexuellen Handlungen übrigens auch in Deutschland erst drei Jahre zuvor aufgehoben worden. Gerade zehn Jahre war es damals her, dass Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag die Kriminalisierung eines "sozialethisch besonders verwerflichen Verhaltens" gegen alle Kritik von links verteidigt hatten.

"Wo die gleichgeschlechtliche Unzucht um sich gegriffen und großen Umfang angenommen hat", heißt es in einem Gesetzentwurf der Adenauer-Koalition von 1962 (Drucksache IV/650), "war die Entartung des Volkes und der Verfall seiner sittlichen Kraft die Folge." Erst der frische Wind der Sechzigerjahre fegte das dröhnende Moralisieren allmählich aus dem deutschen Strafgesetzbuch. So wie in der Demokratischen Republik Kongo im Jahr 2006 und zuletzt in Botswana 2010; denn auch diesen Trend gibt es in Afrika.

© SZ vom 27.12.2013
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