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Homophobie in Polen und der Ukraine:Wo schwule Fußballfans gejagt werden

Homosexualität wird in den Gastgeberländern der Fußball-EM mitunter als Bedrohung für die nationale Sicherheit betrachtet. Schwule und lesbische Fans laufen Gefahr, für ihre sexuelle Orientierung bespuckt und gejagt zu werden. Doch für die Betroffenen bietet die Sportveranstaltung auch die Chance, sich über den Rahmen des Turniers hinaus zur Wehr zu setzen.

Wenn sich Alla Oliynik mit ihrem lesbischen Fußballteam in Kiew auf die Suche nach einem Spielfeld begibt, rückt sie nie mit der Wahrheit raus. "Wir können nicht sagen, dass wir auf Frauen stehen. Die Leute in den Behörden würden uns rauswerfen und sich danach die Hände waschen, für sie sind wir eine Bedrohung der nationalen Sicherheit." Vergangenes Jahr reichten sechs ukrainische Parlamentsabgeordnete einen Gesetzesentwurf ein, der "Propaganda von Homosexualität" unter Strafe stellen soll. Bis heute warten Aktivisten wie Alla Oliynik in der Ukraine auf einen rechtlichen Diskriminierungsschutz ihrer Sexualität.

1. FSV Mainz 05 - VfL Wolfsburg

Fan-Aktionen wir hier beim Bundesligaspiel des FSV Mainz gegen den VfL Wolfsburg Ende April sind in der Ukraine undenkbar.

(Foto: Fredrik Von Erichsen/dpa)

Wenn sich Lukasz Grzeszczuk ein Spiel seiner Breslauer Lieblingsmannschaft ansehen will, schaltet er den Fernseher an. "Wenn Schwule zu einem Spiel gehen, wollen sie unsichtbar bleiben. Niemand möchte das Risiko eingehen, angegriffen oder bespuckt zu werden." Bis 1991 galt Homosexualität in Polen offiziell als Krankheit. Erst vor wenigen Wochen zerstörten Hooligans in der Nähe des Warschauer Präsidentenpalastes die Fenster einer Schwulenbar.

In Polen und der Ukraine beginnt in einem Monat die Fußball-Europameisterschaft. Ein Treffen der Kulturen soll das Turnier werden, die Organisatoren erhoffen sich Festspiele mit Fähnchen, Hymnen, Biergärten. Doch in der Ukraine wird die EM-Vorbereitung von der Debatte um Julia Timoschenko überschattet. Die ehemalige Ministerpräsidentin befindet sich im Hungerstreik, um gegen ihre Inhaftierung zu protestieren.

Der öffentlichkeitswirksame Fall hat dem ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch massive Kritik eingebracht. Bei einem anderen Streitthema aber haben weder Janukowitsch noch die Gastgeber aus Polen europaweite Maßregelung zu fürchten: Die Diskriminierung Homosexueller bleibt noch ungeahndet.

Wer positiv über Homosexualität schreibt, kriegt Ärger

"Je offener wir uns geben, desto gefährlicher leben wir", sagt Alla Oliynik. "Deshalb sind wir mit unserer Gemeinschaft isoliert." So musste die 27-Jährige im vergangenen Jahr extrem vorsichtig sein, als sie in Kiew ein Fußballturnier mit schwulen und lesbischen Teams aus Osteuropa organisierte - Details hatten die Teilnehmer in einem Internetforum ausgetauscht, mit Passwort, aus Angst vor Beschimpfungen. Alla Oliynik konnte für das Turnier keine Plakate kleben, keine Handzettel verteilen, keine Anzeigen schalten.

"Zeitungen, die Schwule und Lesben positiv beschreiben, bekommen Ärger. Von ihren Chefs, von der Politik, aber vor allem: von ihren Lesern." So veranstalteten sie ein Turnier, das kaum Zuschauer hatte, das aber den Zusammenhalt und Mut der schwullesbischen Gemeinschaft stärkte. Zum Beispiel gegen die beliebte Kampagne des Populisten Ruslan Kukharchuk, deren Titel lautet: "Liebe gegen Homosexualität."