Homo-Ehe Stefan und Rolf

Das christlich-konservative Ideal einer bürgerlichen Partnerschaft, es war gerade wieder in Stuttgart zu betrachten: Als ein CDU-Abgeordneter sich kirchlich mit seinem Partner trauen ließ. Nur ein Beispiel für die lebensfremde Politik der Union.

Von Josef Kelnberger

Ach wie schön, es ist noch nicht tot, das christlich-konservative Ideal einer lebenslangen Partnerschaft in Verantwortung vor Gott. Anfang Mai war sein Zauber zu bestaunen in der Kirche des Alten Schlosses in Stuttgart, wo der CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann seinen Bund fürs Leben segnen ließ. Es war viel von Liebe, Treue, Glaube die Rede. Zu den ersten Gratulanten zählten der CDU-Landesvorsitzende Strobl und der CDU-Spitzenkandidat Wolf. Draußen wartete ein Bentley auf das Paar, darauf die Vornamen der beiden Liebenden: Stefan und Rolf.

Es ist eine Unsitte, politische Positionen mit dem Privatleben ihrer Protagonisten zu vermengen, aber in diesem Fall geht das nicht anders. Stefan Kaufmann steht exemplarisch für die missliche Lage, in die sich die CDU in der Frage der Ehe für alle manövriert hat. Man könnte den Gemütszustand der Partei an diesem Punkt auch als schizophren bezeichnen.

Kaufmann ließ, weil die katholische Kirche sich verweigerte, seine Partnerschaft vom Pfarrer einer Alt-Katholischen Kirchengemeinde segnen. Doch er bleibt Katholik, genau wie er in der CDU weiter für die Rechte Homosexueller kämpfen wird. Er würde sich gerne "verheiratet" nennen, soll aber "verpartnert" bleiben. Den Stand der Ehe und das Recht, ein Kind zu adoptieren, will die Partei dem hochgeschätzten Abgeordneten Kaufmann nicht gewähren. Glaubt jemand ernsthaft, dass sich diese Position noch lange halten wird?

Gerade am Beispiel Baden-Württembergs lässt sich erkennen, wie dramatisch der Wertewandel in Deutschland voranschreitet. Über Jahrzehnte hinweg von der CDU regiert, pietistisch geprägt und als erzkonservativ verschrien, wird das Land mittlerweile recht souverän von einer grün-roten Regierung geführt. Diese Landesregierung stand an vorderster Front, als es am Freitag im Bundesrat darum ging, die "Ehe für alle" auf den Weg zu bringen. Sie tat das auch mit Billigung der Landes-FDP. Warum die CDU trotz aller Toleranz gegenüber Homosexuellen, die sie nun an den Tag legt, diesen letzten Schritt verweigert? Erst auf Nachfrage sagte Spitzenkandidat Wolf im Parlament, Kinder sollten "idealerweise" bei Vater und Mutter aufwachsen. Auf eine Debatte ließ er sich nicht ein.

Das mag auch an der Kopf-ab-Mentalität liegen, mit der manche Befürworter die Debatte über die Homo-Ehe führen. Natürlich nutzen Grüne und SPD das unverhoffte Geschenk der irischen Volksabstimmung, um die CDU vor sich herzutreiben, gerade in Baden-Württemberg, wo im März gewählt wird. Aber angesichts der unseligen Geschichte der Diskriminierung Homosexueller sollte sich jetzt niemand über Stilfragen erregen. Ohnehin liegt der Verdacht nahe, dass der Widerstand vor allem taktischer Natur ist.

Die Südwest-CDU will mit Blick auf die Wahl die Pietisten im Land nicht vergraulen und hofft, dass die Debatte so schnell wieder einschläft, wie sie begonnen hat. Das ist ein gefährliches Kalkül. Schon gibt es erste Forderungen, im Landesverband einen Mitgliederentscheid zu starten. Dass Kinder "idealerweise" bei Vater und Mutter aufwachsen, hat ja erkenntlich nur noch wenig mit der Realität im Land zu tun. Immer weniger Paare lassen sich trauen, fast jede zweite Ehe wird geschieden, die Zahl der Alleinerziehenden steigt. Besser früher als später sollte die CDU begreifen, dass ein Bund fürs Leben, wie Stefan Kaufmann ihn schloss, ein wahrer Triumpf des Konservatismus ist. Liebe, Treue, Verantwortung vor Gott. Was will das christlich-demokratische Herz mehr?