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Home-Office in der Pandemie:"Nötiger denn je"

Bundespräsident Steinmeier ruft gemeinsam mit zwei Spitzenfunktionären Firmen und Beschäftigte dazu auf, von zu Hause aus zu arbeiten. Das soll helfen, die Ansteckungen mit dem Coronavirus zu senken.

Von Benedikt Peters

Es ist ein gemeinsamer und ungewöhnlich eindringlicher Appell: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, und Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger rufen Arbeitgeber dazu auf, die Arbeit von zu Hause aus zu ermöglichen.

"Wir appellieren an Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Personalverantwortliche sowie Führungskräfte - wo immer dies möglich ist -, ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in dieser Situation Home-Office anzubieten." Gleichzeitig seien die Beschäftigten aufgerufen, "diese Angebote soweit sinnvoll und möglich anzunehmen und von zu Hause zu arbeiten". So steht es in dem Aufruf, den Steinmeier, Hoffmann und Dulger verfasst und bei einem gemeinsamen Auftritt im Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten, vorgestellt haben. Die Arbeit aus dem Home-Office sei nun "nötiger denn je", sagte Steinmeier.

Angesichts der nach wie vor hohen Infektionszahlen war in den vergangenen Tagen darüber debattiert worden, ob die Wirtschaft einen noch größeren Beitrag leisten könne, um die Ansteckungen mit dem Coronavirus zu verringern. Unter anderen hatten Politikerinnen der Grünen gefordert, Firmen im Zweifel zur Erlaubnis von Heimarbeit zu zwingen. Einer aktuellen Studie zufolge ermöglichen derzeit 42 Prozent der Betriebe ihren Beschäftigten das Home-Office - wobei dies eben auch nicht in allen Branchen möglich ist, etwa in der Pflege, in Supermärkten oder der Industrie.

Arbeitgeber, Beschäftigte, Betriebs- und Personalräte seien bislang sehr verantwortungsvoll mit der Pandemie umgegangen, heißt es in dem Appell, Hygienekonzepte und Pläne zum Arbeitsschutz seien weitgehend umgesetzt worden. Dies habe dazu geführt, "dass der Arbeitsplatz im Vergleich ein sicherer Ort ist". Es seien allerdings noch mehr Anstrengungen möglich, schreiben Steinmeier, Hoffmann und Dulger. Man müsse die Kontakte weiter einschränken und die Mobilität verringern. "Arbeiten im Home-Office trägt dazu bei."

Der Aufruf ist ausdrücklich nicht nur an die Arbeitgeber gerichtet, sondern auch an Beschäftigte und Betriebsräte. Es sei ihre gemeinsame Aufgabe, das Home-Office "verantwortungsvoll zu nutzen".

Die Arbeit von zu Hause könne eine Belastung sein, sowohl finanziell und organisatorisch für die Unternehmen als auch sozial und emotional für die Beschäftigten. "Home-Office in diesem Ausmaß ist eine Ausnahme, die die aktuelle Pandemie erfordert. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit einer gemeinsamen Anstrengung und den angelaufenen Impfungen diese Herausforderungen bewältigen können", sagt Steinmeier.

Im SZ-Interview hatte DGB-Chef Hoffmann kürzlich gefordert, dass das Home-Office reguliert werden müsse. Einerseits forderte er einen Rechtsanspruch auf die Arbeit von zu Hause aus, zumindest dort, wo das möglich ist. Andererseits müsse aber auch sichergestellt werden, dass niemand zum Home-Office gezwungen werden könne.

© SZ/berj
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