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Home-Office:Potenzial für Unfrieden

Die angestrebte Flexibilisierung der Arbeit ist ein guter Anstoß.

Von Max Hägler

Die Union im Bundestag hat schon recht, wenn sie in der Debatte ums Home-Office vor Verwerfungen warnt: Die vom zuständigen SPD-Minister Hubertus Heil angestrebte Flexibilisierung der Arbeit - 24 Tage pro Jahr sollen Arbeitnehmer daheim arbeiten dürfen - birgt tatsächlich die Gefahr einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Vom Verkäufer über die Chirurgin bis zum Polizisten: Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer muss stets die Stellung halten, während die anderen auch mal mit dem Notebook zu Hause sitzen dürfen. Potenzial für Unfrieden.

Doch in der Politik erreicht man selten alle Betroffenen gleichermaßen. Und das Bild vom privilegierten Heimarbeiter ist sowieso oft nicht zutreffend: Ein Wechsel des Ortes bedeutet ja nicht unbedingt größeres Pläsier, sondern meist Auflösung der Grenze zwischen Privatem und Job. Die Spaltung ist also mitzudenken, aber kein Grund, von einer Regelung zu lassen.

Denn "New Work" ist zunehmend Realität. Die Seuchenzeit zeigt, wie davon Arbeitnehmer wie Arbeitgeber profitieren können. Jedoch spielt sich vieles im gesetzlichen Graubereich ab, ob Zeit, Versicherung oder eben Ort. Die nun vorgeschlagenen 24 Daheim-Tage mögen bürokratisch sein - daran stößt sich die Union in Wahrheit. Aber sie sind ein guter Anstoß, um insgesamt über Lasten und Chancen beim Arbeiten zu diskutieren.

© SZ vom 05.10.2020

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