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Home-Office:Auflagen fürs Arbeitszimmer

Homeoffice

"Zeichen der Wertschätzung": Einige Firmen zahlen ihren Mitarbeitern im Home-Office einen Corona-Bonus.

(Foto: dpa)

Unternehmen haben auch bei Büros zu Hause Pflichten, sie müssen etwa einen gesunden Arbeitsplatz gewährleisten.

Von Sibylle Haas

Die Corona-Pandemie hat die Arbeitswelt in kurzer Zeit so stark verändert wie kaum ein Geschehen zuvor. Millionen Menschen arbeiten zu Hause, sie sitzen im heimischen Arbeitszimmer, am Küchentisch oder auf dem Sofa. Viele Firmen unterstützen ihre Mitarbeiter finanziell, geben ihnen Laptops, Mobiltelefone und die Möglichkeit, Bürostühle und Schreibtische auf Firmenkosten zu bestellen. Immer mehr Unternehmen zahlen ihren Mitarbeitern inzwischen auch einen Corona-Bonus: Siemens, Microsoft, Lanxess, Zalando sowie Google und Facebook. Das Geld werde als "Zeichen der Wertschätzung" für die "außerordentlichen Leistungen" gezahlt, wie Siemens-Chef Joe Kaeser kürzlich hervorhob. Zunächst noch bis Jahresende können Arbeitgeber bis zu 1500 Euro steuerfrei ihren Mitarbeitern quasi als Entschädigung geben.

Für die meisten Beschäftigten ist so eine finanzielle Abfederung wichtig. Der Corona-Bonus ist ein Zeichen des Respekts. Doch darüber hinaus wollen Arbeitnehmer auch wissen, welche Kosten die Firma sogar übernehmen muss. "Der Arbeitgeber hat für die Kosten aufzukommen, die entstehen, um den Arbeitnehmer überhaupt in die Lage zu versetzen, seiner Arbeitspflicht nachzukommen", erklärt die Frankfurter Fachanwältin für Arbeitsrecht, Asma Hussain-Hämäläinen. Ein Betrag von 50 Euro im Monat für Strom und Wasser im Home-Office sei angemessen, meint die Juristin.

Doch Arbeitgeber haben ihre Beschäftigten nicht nur angemessen zu bezahlen und zu entschädigen, sondern sie müssen ihnen auch einen Arbeitsplatz anbieten, der den gesetzlichen Vorschriften entspricht. "Dabei gelten für Arbeitnehmer, die in ihrer häuslichen Umgebung tätig sind, auch alle arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften wie für Beschäftigte im Betrieb des Arbeitgebers", sagt Kerstin Gröne, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Köln. So ist in Pandemie-Zeiten zu überprüfen, welchen Gefährdungen Arbeitnehmer an ihrem Arbeitsplatz ausgesetzt sind, zu Hause wie im Betrieb. Wie dies zu kontrollieren ist, ist allerdings nicht vorgeschrieben. Da man niemanden, auch nicht den Vorgesetzten, in die eigene Wohnung lassen muss, ist die Kontrolle schwierig. Doch Arbeitgeber sollten es sich nicht zu einfach machen, warnt Gröne. "Er tut gut daran, eine Begehung und Bewertung des Home-Office-Arbeitsplatzes anzubieten, um seiner Kontrollpflicht nachzukommen", empfiehlt sie.

Sie erlebe, wie es "überall kriselt und kracht", sagt die Konfliktmanagerin

Denn je länger und je regelmäßiger im Home-Office gearbeitet wird, desto wichtiger ist ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz, heißt es bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA). Dazu gehören externe Bildschirm- und Eingabegeräte wie Maus und Tastatur. Außerdem müssten Schreibtisch und Stuhl an die Körpergröße angepasst werden, um das Arbeiten mit ungesunden Körperhaltungen, etwa auf der Couch, zu vermeiden.

Unklar ist oft, wann die gesetzliche Unfallversicherung bei Unfällen im Home-Office zahlt. Grundsätzlich gilt: Bei beruflichen Tätigkeiten, egal an welchem Ort, ist man gesetzlich unfallversichert. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung erklärt dies gerne an diesem Beispiel: "Fällt eine Versicherte die Treppe hinunter und verletzt sich dabei, weil sie im Erdgeschoss die unterbrochene Internetverbindung überprüfen will, die sie für die dienstliche Kommunikation benötigt, wäre dieser Unfall versichert. Fällt sie hingegen die Treppe hinunter, weil sie eine private Paketsendung entgegennehmen will, wäre dies nicht versichert. Denn eigenwirtschaftliche - das heißt private - Tätigkeiten sind auch im Büro grundsätzlich nicht gesetzlich unfallversichert."

Die Corona-Krise hat aber nicht nur die Arbeit drastisch verändert, sondern auch die Kommunikation mit den Kollegen. Der Ton sei schärfer geworden, stellt die Konfliktmanagerin Stephanie Huber fest. Die Kommunikation im Chat sei zumeist sachlich, aber auch weniger respektvoll und wertschätzend. Wenn man sich Auge in Auge gegenüberstehe, gehe man menschlicher miteinander um, sagt sie. Noch nie zuvor habe sie so viele Streitigkeiten klären müssen wie in der Corona-Zeit. "Als Konfliktmanagerin erlebe ich, wie es überall kriselt und kracht", sagt Huber. Oft seien es Missverständnisse, die im Chat entstünden. Das Problem sei, dass man sich bei der Arbeit im Home-Office nicht mehr in der Teeküche begegne, um das Missverständnis zu beseitigen. Sie habe als Konfliktmanagerin die Erfahrung gemacht, dass sich im Streit die Menschen nicht zuhören, sondern auf ihrer Sicht beharren. In der Corona-Krise habe sich so ein Verhalten noch verschärft. Man schmore im eigenen Saft. Wenn man im Büro mit Kolleginnen und Kollegen arbeite, könne man bestimmte Strömungen besser einschätzen als in wochenlanger einsamer Arbeit am heimischen Schreibtisch.

Der Berater und Coach Peter Modler empfiehlt, auch im eigenen Wohnzimmer bei Video-Konferenzen professionell zu sein. Man sei nicht privat, sondern in einer Arbeitssituation. Rang- und Revierfragen würden hier ebenso geklärt wie im Meeting am Konferenztisch in der Firma. Zu glauben, im Wohnzimmer gebe es keine Machtspiele findet Modler naiv. Die Trennlinie zwischen Privatheit und Beruf sei zwar daheim nicht so einfach zu ziehen wie im Büro. Doch solle man sich immer klar machen, dass die Videokonferenz eine berufliche Situation sei. Deshalb sei es wichtig, sich entsprechend zu präsentieren.

© SZ/rpr
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