bedeckt München 26°

NS-Diktatur:Von wegen Vogelschiss

Schnee in Berlin

Nur ein Bauwerk? Das Holocaust-Mahnmal in Berlin. Die meisten Deutschen verweigerten sich nach wie vor dem "großen Erschrecken" über die Verbrechen ihrer Vorfahren während des Zweiten Weltkriegs, sagt Niklas Frank.

(Foto: dpa)

Niklas Frank, Sohn des einstigen Generalgouverneurs im besetzten Polen, erregt sich über die AfD - und die Deutschen.

Rezension von Robert Probst

Ein Wutanfall, so steht es auf dem Buchcover. Treffender kann man nicht ankündigen, was auf 170 Seiten folgt. Eine Streitschrift eines Empörten ohne jede Kapitel- oder sonstige Einteilung, ein Durcheinander an Fakten, Einschätzungen und bitteren Anekdoten, eingestreuten Briefen und alles gipfelnd in der steilen These, der Aufstieg der AfD sei ohne viel Differenzierung mit dem Aufstieg und der anschließenden Diktatur der NSDAP zu vergleichen.

Niklas Frank: Auf in die Diktatur! Die Auferstehung meines Nazi-Vaters in der deutschen Gesellschaft. Ein Wutanfall. Verlag J.H.W Dietz Nachf., Bonn 2020. 176 Seiten, 12 Euro.

Niklas Frank ist oft wütend. Der langjährige Stern-Journalist hat mit seinen radikalen Familien-Porträts über die Jahrzehnte immer wieder für Furore gesorgt.

Als Sohn des einstigen Generalgouverneurs im besetzten Polen und 1946 in Nürnberg als Hauptkriegsverbrecher erhängten Hans Frank arbeitete er sich immer wieder an der NS-Vergangenheit der Deutschen ab, mit einer sehr klaren und auch schmerzhaften Erkenntnis: Die Deutschen haben die Verbrechen in der Zeit zwischen 1933 und 1945 nie anerkannt, sondern versuchen seit nunmehr 75 Jahren sehr erfolgreich, all das zu verdrängen.

Ein Büchlein vor allem zum Frösteln

Und diese "Feigheit", so Frank, macht sehr viele von ihnen (er geht von 60 Millionen aus) anfällig für die Politik und Sprache der AfD.

Man muss sicher nicht alles teilen, was Frank, 81, schreibt, aber viele seiner Beispiele - etwa wie die ARD Nachrichten über die NS-Zeit fast ohne das Wort "deutsch" zustande bringt - und vor allem Erlebnisse - etwa mit der Holocaust-Überlebenden Anita Lasker-Wallfisch - machen doch sehr nachdenklich.

Ein Büchlein zum Ärgern, zum gelegentlichen galligen Lachen und vor allem zum Frösteln.

© SZ vom 15.06.2020

Berichte von Holocaust-Überlebenden
:" Ich erinnere mich, wie Blut den Schnee rot färbte"

Das furchtbare Leid der Häftlinge und die Mordlust der deutschen Bewacher, das Entstehen von Schindlers Liste und die Befreiung durch die Alliierten: Was zehn Zeitzeugen über die Konzentrationslager berichtet haben.

Von Oliver Das Gupta

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite