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Georg Friedrich Prinz von Preußen:Der höfliche Hohenzollern-Chef mit großen Ansprüchen

Georg Friedrich Prinz von Preußen, Hohenzollern

Will den Ertrag der Hohenzollern mehren: Georg Friedrich Prinz von Preußen.

(Foto: dpa)

Er sagte einmal, dass er kein Schloss brauche, um sich zu definieren. Nun hat der Prinz von Preußen üppige Erwartungen an den Staat - inklusive Wohnrecht auf Schloss Cecilienhof und Sterbesessel von Friedrich dem Großen.

Im Sommer 1996 rückte ins Mittenwalder Gebirgsjägerbataillon ein junger Mann ein, der seinen Vorgesetzten kurz vor ein kleines Problem stellte. Georg Friedrich Prinz von Preußen war höflich und sportlich, ein prima Kerl.

Er stakste wie die anderen Rekruten in einem bläulichen Frottee-Trainingsanzug in der Kaserne herum. Was den Vorgesetzten Kopfzerbrechen bereitete: Man rätselte, was auf dem Namensschild seiner Flecktarnuniform stehen sollte - Prinz oder nicht Prinz?

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Zu diesem Zeitpunkt war der gebürtige Bremer bereits Oberhaupt der Hohenzollern. Jenes Adelshauses, das seit 500 Jahren die Geschichte Brandenburgs, Preußens und schließlich Deutschlands maßgeblich geprägt hat. Georg Friedrich, 43, ist das junge Gesicht eines alten Geschlechts.

Sein Vater, ein Soldat, verunglückte bei einem Unfall tödlich, als der Sohn noch ein Baby war. Georg Friedrich ging in Schottland zur Schule, studierte Betriebswirtschaft, lebt mit Frau und vier Kindern in Potsdam. Er sagte einmal, dass er kein Schloss brauche, um sich zu definieren.

Eine Familie, die selten in den Klatschgazetten auftaucht, geerdet, solide - ein wohltuendes Gegenbild etwa zu Georg Friedrichs Ururgroßvater, Kaiser Wilhelm II. Doch nun sorgt Georg Friedrich für Schlagzeilen, die ihm nicht gefallen.

Es wurde bekannt, dass die Hohenzollern üppige Ansprüche an den Staat stellen. Es geht nicht nur um Entschädigungen in Höhe von mindestens 1,2 Millionen, dazu das unentgeltliche Wohnrecht in Liegenschaften wie Schloss Cecilienhof.

Vor allem begehrt Georg Friedrich Tausende Kunstwerke von immensem Wert sowie historische Gegenstände wie etwa die Totenmaske von Friedrich dem Großen - und den Sessel, in dem der Alte Fritz gestorben ist. Es soll sich um Werte in dreistelliger Millionenhöhe handeln.

Warum tut er das? Georg Friedrich zieht nicht in diesen Kampf, weil er in irgendeiner Form um die Monarchie kämpft, er hat einmal die Bundesrepublik als "ideale" Staatsform gepriesen. Er sieht es als seinen Job als Chef des Hauses, den Ertrag der Hohenzollern zu mehren. Seit zwei Jahren kümmert er sich beruflich fast nur noch um "familiäre Unternehmungen".

Seit 2014 laufen die Verhandlungen des Hohenzollern mit dem Bund, den Ländern Berlin und Brandenburg sowie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und anderen Institutionen, die das Erbe der preußischen Könige bewahren. Eine Entschädigungsklage ruht derzeit, beide Seiten favorisieren eine gütliche Einigung, hieß es nach einem Treffen vergangene Woche. Doch die Materie ist heikel und hoch kompliziert.

Eine wichtige Rolle spielt in der Causa das Verhältnis der Hohenzollern zu den Nationalsozialisten. Sie haben, zumindest teilweise, Hitlers Aufstieg gutgeheißen und sogar gefördert. Damit befasst haben sich die Hohenzollern nicht gerade eingehend.

Nach der deutschen Einheit beantragte Georg Friedrichs Großvater Louis Ferdinand die Rückgabe von Liegenschaften in Ostdeutschland - und scheiterte vor Gericht. Dieses Verfahren führe er nun im Sinne der Familie weiter, sagt Georg Friedrich. Aber die Sprengkraft des Themas hat er offenbar unterschätzt.

Das Hausgesetz, das standesgemäße Eheschließungen vorschreibt, will er prüfen

In einem Interview mit der Welt am Sonntag beklagte Georg Friedrich, dass Informationen über die Verhandlungen "selektiv" an die Medien weitergegeben worden seien, dies habe zu teils heftiger Kritik an den Hohenzollern geführt. Der Mann, der Kaiser wäre, wenn Deutschland eine Monarchie geblieben wäre, bemüht sich um Milde.

Die Behauptung, seine Familie fordere die Deutungshoheit über ein mögliches Hohenzollern-Museum, nennt er "völligen Quatsch". Selbst das strenge Hausgesetz, das standesgemäße Eheschließungen vorschreibt, will er darauf prüfen, ob es noch zeitgemäß sei.

So leicht wie das Namensproblem auf der Uniform wird sich die Sache nicht lösen. Damals in Mittenwald einigte man sich, dass Georg Friedrich schlicht unter "Preußen" firmiert.

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