Hofreiter und andere Trittin-Nachfolger:Die neuen Grünen

Trittin weg, Roth weg, Künast weg. Nach der Wahlpleite machen die Grünen Tabula rasa. Wer sind die Gesichter der Generation, die nun übernimmt? Verkehrsexperte Hofreiter wird neuer Fraktionschef, Simone Peter neue Parteichefin. Sie stehen symbolisch für eine Reihe grüner Nachwuchshoffnungen.

Von Hannah Beitzer und Michael König, Berlin

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German Elections: The Day After

Quelle: Getty Images

Trittin weg, Roth weg, Künast weg. Nach der Wahlpleite machen die Grünen Tabula rasa. Wer sind die Gesichter der Generation, die nun übernimmt? Verkehrsexperte Hofreiter wird neuer Fraktionschef, Simone Peter neue Parteichefin. Sie stehen symbolisch für eine Reihe grüner Nachwuchshoffnungen.

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Hofreiter und andere Trittin-Nachfolger:Anton "Toni" Hofreiter

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Quelle: Claus Schunk

Der studierte Biologe aus München hat Jürgen Trittin als Fraktionsvorsitzenden beerbt. Toni Hofreiter ist seit 2005 Bundestagsabgeordneter und seit 2011 Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Kam 1986 als Schüler zu den Grünen, war dann Gemeinderat und Kreisrat. Der 43-Jährige gehört zum linken Parteiflügel und wirkt eher bodenständig als staatsmännisch. Bei seinem ersten großen Auftritt nach der Kandidatur schlug er einen Bogen vom ecuadorianischen Bananenbauer zur Energiewende. Könnte den Grünen wieder ein Stückchen ihrer Gründungsoriginalität zurückgeben. Oder war es Gründungsnaivität?

(beitz)

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Hofreiter und andere Trittin-Nachfolger:Britta Haßelmann

Britta Hasselmann, Michael Vesper, Bärbel Höhn, 2004

Quelle: dpa/dpaweb

Die 51-Jährige - hier links im Bild - ist für Volker Beck aufgerückt und Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion geworden. Britta Haßelmann dürfte mit ihrer Art einen starken Kontrast zum aufbrausenden Beck bilden. "Bielefelds beste Verbindung nach Berlin" (Selbstbeschreibung) gilt als unumstritten, moderat, fürsorglich. Ehemals Landesvorsitzende in NRW (2000 bis 2006). Hat als Leiterin von Parteitagen bewiesen, dass sie Grüne bändigen kann. Ist als Mitglied im Vermittlungausschuss erfahren im Umgang mit der CDU.

(mikö)

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Hofreiter und andere Trittin-Nachfolger:Gerhard Schick

Gerhard Schick

Quelle: oh

Der 41-Jährige galt als möglicher Wettbewerber um den Fraktionsvorsitz. Wollte aber wohl nicht gegen Hofreiter antreten. Parteilinker und Finanzexperte der Grünen, als solcher anerkannt weit über die eigene Fraktion hinaus. Die konservative Zeitung Die Welt schwärmt von Gerhard Schick: "Fachkundig bis in Details wie kaum ein anderer Parteienvertreter im Bundestag, mit einer klaren Linie für eine bessere Regulierung der Banken, ideologisch, aber nicht verbohrt, wäre eine Idealbesetzung." Trat vor der Bundestagswahl Parteichef Cem Özdemir vors Schienbein, als er dessen Spitzenplatz auf der Landesliste Baden-Württemberg einforderte, jedoch verlor.

(mikö)

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Hofreiter und andere Trittin-Nachfolger:Kerstin Andreae

Kerstin Andreae

Quelle: picture-alliance/ dpa

Unterlegene Konkurrentin von Katrin Göring-Eckardt um das Amt der Fraktionsvorsitzenden. Gehört wie diese zum Realo-Flügel. Die 44-Jährige Kerstin Andreae ist studierte Volkswirtin und sitzt seit 2002 im Bundestag. Sie wurde im Februar 2012 Nachfolgerin von Fritz Kuhn als stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion. Andreae tritt für einen "Brückenschlag zur Wirtschaft" ein und gilt als Vertraute des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann.

(beitz)

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Hofreiter und andere Trittin-Nachfolger:Steffi Lemke

Grüne stellen Wahlplakate zum Wahlkampf-Endspurt vor

Quelle: dpa

Wurde für ein Spitzenamt gehandelt, will aber in der "gegenwärtigen strategischen Situation" nicht antreten. Steffi Lemke kehrt jetzt in den Bundestag zurück, dessen Mitglied sie schon von 1994 bis 2002 war. Unter Kanzler Schröder und Rot-Grün von 1998 bis 2002 Parlamentarische Geschäftsführerin, wechselte dann auf den Posten der Bundesgeschäftsführerin. Zog sich nach der Wahlpleite zurück, machte Platz für Michael Kellner. Die 45-Jährige trug aus eigener Überzeugung zum Linkskurs der Partei bei, wird deshalb von Realos für das schwache Ergebnis mitverantwortlich gemacht. "Miss Sauertopf" (Die Welt) gilt in der Union vielen als Feindbild, daher nicht Schwarz-Grün-tauglich.

(mikö)

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Hofreiter und andere Trittin-Nachfolger:Simone Peter

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Quelle: Imago Stock&People

Neue Parteichefin und Nachfolgerin von Claudia Roth, gewählt mit 75,9 Prozent Zustimmung. Hat als Saarländerin Erfahrung mit exotischen Bündnissen. Simone Peter war von 2009 bis 2012 Umweltministerin der schwarz-gelb-grünen Landesregierung, bis CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer die Koalition platzen ließ. Wegen der zerrütteten FDP wohlgemerkt, nicht wegen der Grünen. Seit 2012 ist die 47-Jährige Landtagsabgeordnete im Saarland.

(mikö)

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Hofreiter und andere Trittin-Nachfolger:Malte Spitz

Grünen-Netzpolitiker Malte Spitz

Quelle: Bündnis 90/Die Grünen, oH

Netzpolitiker mit wachsendem Renommee. Trug in der NSA-Überwachungsaffäre stark zur grünen Profilbildung bei. 29 Jahre alt, seit 2006 Mitglied im Bundesvorstand. Malte Spitz scheiterte jetzt am Einzug in den Bundestag über die Landesliste NRW. Will nicht wieder für den Bundesvorstand kandidieren, stattdessen im Parteirat mitarbeiten.

(mikö)

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Hofreiter und andere Trittin-Nachfolger:Boris Palmer

Boris Palmer Tübingen Grüne

Quelle: dpa

Vielleicht der Lokalpolitiker mit der größten bundespolitischen Präsenz. Boris Palmer ist Oberbürgermeister von Tübingen, 41 Jahre alt. Berater des baden-württembergischen Landesvaters Winfried Kretschmann. Durfte jetzt in den ARD-Tagesthemen über den verpatzten Wahlkampf reden. Lautester Schwarz-Grün-Fürsprecher auf Parteitagen, bei der Parteilinken deshalb verhasst. Nannte eine Koalition mit der Union nach der Wahl jedoch "brutalen Wortbruch". 2012 aus dem Parteirat geflogen, wegen "eigener Fehler", wie er sagt. Hatte "bewusst provoziert" gegen Steuererhöhungen. Will in Tübingen bleiben, denn "dort ist es sehr schön". Verkehrsexperte seit Stuttgart 21.

(mikö)

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Hofreiter und andere Trittin-Nachfolger:Franziska Brantner

Franziska BRANTNER; Franiska Brantner Die Grünen Europaparlament EU

Quelle: JAN VAN DE VEL; Europäisches Parlament/oH

Die 37 Jahre alte Reala musste am Sonntag ziemlich lange um ihren Einzug in den Bundestag zittern, hat es aber über die Landesliste geschafft. Die Politikwissenschaftlerin kam über die Grüne Jugend zur Partei und ist seit 2009 Abgeordnete des Europaparlaments. Franziska Brantner hat in Tel Aviv, Washington, Paris, New York und Brüssel gelebt, gilt entsprechend als Expertin für Außenpolitisches.

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Hofreiter und andere Trittin-Nachfolger:Sven Giegold

Sven Giegold

Quelle: oh

Wirtschaftsfachmann für Europa. Globalisierungskritiker, Mitbegründer von Attac Deutschland, erst seit 2008 Mitglied bei den Grünen. Sven Giegold ist 43 Jahre alt. Gilt als Mann für eine rot-rot-grüne Zukunft: Mitbegründer des Instituts Solidarische Moderne, das Möglichkeiten einer Zusammenarbeit von SPD, Linken und Grünen erkunden soll.

(mikö)

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Hofreiter und andere Trittin-Nachfolger:Annalena Baerbock

Brandenburg nach der Bundestagswahl

Quelle: dpa

Annalena Baerbock ist 32 Jahre alt und Vorsitzende der Brandenburgischen Grünen. Mitglied im einflussreichen Parteirat. Ist studierte Politologin und Juristin. Promoviert über Fragen des Völkerrechts. Interessiert sich für Europapolitik.

(beitz)

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Hofreiter und andere Trittin-Nachfolger:Manuel Sarrazin

Claudia Roth besucht Energiebunker

Quelle: dpa

Der 31-jährige Hamburger, hier mit Claudia Roth (Mitte) und der Hamburger Spitzenkandidatin Anja Hajduk, kam 2008 als Nachrücker über die Hamburger Landesliste in den Bundestag. Manuel Sarrazin ist stellvertretender Vorsitzender der Grünen in Hamburg und war der jüngste Abgeordnete in der Bürgerschaft. Der Realo hat Geschichte studiert und ist Sprecher seiner Fraktion für Europapolitik. Beschäftigt sich viel mit der Eurokrise.

(beitz)

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Hofreiter und andere Trittin-Nachfolger:Gesine Agena

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Quelle: Imago Stock&People

Ehemals Sprecherin der Grünen Jugend, jetzt Mitglied im Bundesvorstand und frauenpolitische Sprecherin. Auf Parteitagen immer für linke Motivationsreden gut. "Die Schwarz-Grün-Debatte nervt", heißt einer ihrer letzten Blogeinträge. Gesine Agena engagiert in der rot-rot-grünen Denkfabrik "Institut Solidarische Moderne". Hat mit 26 Jahren schon Erfahrung im Parteirat gesammelt, ist jetzt jüngstes Vorstandsmitglied.

(mikö)

© SZ.de/joku
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