Eine Katze und ein Radio waren 19 Monate lang seine einzige Begleitung und Abwechslung im kolumbianischen Regenwald. Marcos Baquero wurde alleine gefangen gehalten und die Guerilleros, die ihn bewachten, durften nicht mit ihm sprechen. Der Kommunalpolitiker war Geisel der Rebellenarmee Farc, bis diese ihn am Mittwoch an einem geheim gehaltenen Ort einer humanitären Delegation übergab. Vier weitere Gefangene sollen diese Woche freigelassen werden. Das Besondere daran: Es könnte der Anfang vom Ende eines seit Jahrzehnte andauernden Konfliktes zwischen der Regierung und der linksgerichteten Guerillagruppe "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (Farc) sein.

Als "Beginn eines großen Friedensprozesses", bezeichnete die ehemalige kolumbianische Senatorin Piedad Córdoba die Freilassungen. Sie ist maßgeblich beteiligt an den Verhandlungen mit der Farc. Córdoba ist Mitglied der Liberalen Partei (Partido Liberal) und hat in den vergangenen Jahren immer wieder als Vermittlerin zwischen der Regierung und den Farc agiert. Im vergangenen November hat die kolumbianische Justiz sie von allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Ihr wird vorgeworfen, bei der Vermittlung die Grenzen des Zulässigen überschritten zu haben. Córdoba hält es für wahrscheinlich, dass innerhalb der nächsten sechs Monate weitere 16 Geiseln entlassen werden - es sind möglicherweise die letzten 16 Geiseln, die die Farc noch in ihrer Gewalt hält.
Die Farc bezeichnet die Freilassung der fünf Geiseln nun als eine "einseitige Geste des Friedens". Die Rebellenarmee hatte stets verkündet, sie werde ihre Gefangenen nur freilassen, wenn die Regierung im Gegenzug alle Farc-Rebellen aus dem Gefängnis entlässt. Das hat nicht nur der amtierende Präsident Juan Manuel Santos abgelehnt, sondern auch sein Vorgänger Álvaro Uribe, von dem er im August 2010 das Amt übernommen hatte.
Die Freilassung von Baquero und die Ankündigung, vier weitere Geiseln zu entlassen, wird daher auch als ein Schritt der Farc hin zur Dialogbereitschaft verstanden. Ein positives Signal könnte auch sein, dass die Regierung schnell auf das Angebot der Farc reagiert hat und die Operation schon zwei Monate nach der Ankündigung durchgeführt werden konnte. In der Vergangenheit haben solche Prozesse deutlich länger gedauert.
Seit der Befreiung der berühmten Geisel Íngrid Betancourt 2008 wirkt die Farc zunehmend geschwächt. Wichtige Rebellenführer wurden festgenommen und bedeutende Geiseln befreit. Präsident Juan Manuel Santos scheint die Farc zudem eher zu ignorieren, als dass er ihr den Kampf erklärt, wie sein Vorgänger Uribe. Dadurch hat die Farc zunehmend an Bedeutung verloren und gerät unter Druck.
Präsident Santos hält auch nach der Freilassung von Marcos Baquero an seiner Forderung fest, dass die Regierung erst zu einem Dialog bereit sei, wenn die Farc alle Gefangenen freilässt. Bereits seit 2002 hat es keine Gespräche mehr zwischen der Regierung und der Guerillagruppe gegeben. Genaue Zahlen darüber, wie viele Menschen noch von der Farc festgehalten werden, gibt es nicht. Mindestens 16 sollen es sein, die kolumbianische Regierung geht sogar von etwa 100 Gefangenen aus. Darunter sind sowohl politische Geiseln, die als Druckmittel benutzt werden als auch Gefangene, mit denen Geld erpresst werden soll.
Nachdem die Zahl der Entführungen in Kolumbien in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen war, ist sie 2010 im Vergleich zum Vorjahr wieder um ein Drittel auf 282 registrierte Fälle gestiegen. Davon gehen jedoch nur 35 Prozent auf die Guerillagruppen Farc sowie die ihr nahestehende Nationale Befreiungsarmee (ELN) zurück. Der Großteil der Entführungen wird von kriminellen Banden und paramilitärischen Gruppen begangen, bei denen es vor allem um Erpressung von Lösegeld geht.