Höchstlohn höchst bedenklich Gegen zu hohe Managergehälter helfen keine Gesetze, wohl aber Einsicht und Genügsamkeit

Von Nina Bovensiepen

Nun also auch noch Wolfgang Schäuble. Neben der Kanzlerin, Bischof Wolfgang Huber, vielen Gewerkschaftern und diversen Sozialdemokraten hat jetzt der Innenminister verkündet, was er über Super-Gehälter für Manager denkt. Die Betriebe sollten "inakzeptabel hohe" Vergütungen unterbinden, sagt Schäuble. Da jubelt das gesunde Volksempfinden, der Mann kann sich über den Applaus freuen. Aber: Ein paar Feinheiten bleiben auf der Strecke - nicht zustande kommt zum Beispiel eine sinnvolle Debatte darüber, was die Arbeit von Top-Leuten wert ist, und ob es so etwas wie eine Obergrenze bei den Einkommensmillionären geben kann. Darüber lässt sich so lange nicht reden, wie die Bürger mit mundgerechten Häppchen versorgt werden, erst recht, wenn dies wenige Wochen vor Landtagswahlen passiert.

Es könnte allerdings noch schlimmer kommen. Zum Beispiel, wenn SPD und Union Worten Taten folgen lassen, wenn sie also nach dem Mindestlohn auch noch den Höchstlohn regeln. Ein Gesetz gegen Millionengagen für Manager wäre Unsinn - in diesem Punkt hat Schäuble recht. Aber auch von anderen Ideen, wie den Wirtschaftsbossen gesetzlich mehr Anstand verordnet werden könnte, sollten die Koalitionäre schnell wieder Abstand nehmen.

Das heißt nicht, dass in den Vorstandsetagen alles zum besten stünde. Vergangene Woche erst hat Postchef Klaus Zumwinkel ein Beispiel für die Abgehobenheit von Managern geliefert. Bei dem Verkauf eines Aktienpakets für 4,73 Millionen Euro nutzte Zumwinkel den Wertzuwachs der Post-Aktie, der auch daher rührt, dass die Politik dem Konzern über den Mindestlohn für Briefdienste das Monopolistendasein verlängert. Aus Sicht des Anlegers Zumwinkel war der Verkauf klug, für das Ansehen des Managers Zumwinkels war er schlecht. Schlecht ist es auch, wenn gescheiterte Konzernlenker Millionen-Abfindungen kassieren und wenn Vorstände keine Ahnung mehr haben, von welch geringer Summe ein Hartz-IV-Empfänger leben muss.

Doch mehr Gesetze bringen die Manager nicht automatisch in die Lebenswirklichkeit zurück. Gesetze lassen sich nämlich umgehen. Würde es etwa verboten, die Bezahlung an die Entwicklung der Aktie zu koppeln, werden die Firmen zügig neue Entlohnungs-Modelle erdenken. Oder die Konzerne könnten Vorstände im Ausland anstellen und bezahlen, die dann Fern-Management betrieben. Manche Top-Leute würden Deutschland vermutlich den Rücken kehren. Der Politik sind bei den Manager-Gehältern zudem die Hände gebunden: Eine Gehalts-Obergrenze kann es nicht geben, weil das gegen die Vertragsfreiheit des Grundgesetzes verstößt.

Der einfachste Weg zur Maßregelung von Managern ist also versperrt. Zum Glück. Vielleicht denken SPD und Union noch ein bisschen nach statt nur wohlfeile Parolen von sich zu geben. Ohnehin gibt es kein Gesetz, das Selbsterkenntnis und Genügsamkeit fördert.