Hitler-Attentat:"Es ist gemacht!"

Am 20. Juli 1944 reagierten in den Berliner Führungsbehörden zunächst viele so, als sei das Attentat auf Hitler gelungen. Ein Augenzeugenbericht.

Wilhelm Melchers

Wilhelm Melchers trat 1925 in den Auswärtigen Dienst ein. Seit 1943 war er als Vortragender Legationsrat im Berliner Auswärtigen Amt tätig. Der Autor, der nach dem Krieg erneut im Auswärtigen Dienst stand, zuletzt als Botschafter in Athen, starb 1971. Der hier erstmals in geschlossener Form veröffentlichte Text stammt aus seinem Nachlass.

Hitler-Attentat: Gedenktafeln wie diese in Berlin erinnern an das Attentat auf Adolf Hitler am 20. April 1944.

Gedenktafeln wie diese in Berlin erinnern an das Attentat auf Adolf Hitler am 20. April 1944.

(Foto: Foto: AP)

"Also, jetzt ist es endlich so weit." Adam von Trott, damals Legationsrat im Auswärtigen Amt, teilte mir mit, dass eine größere Gruppe unter Mitwirkung des Militärs einen Staatsstreich für einen der nächsten Tage plane. Hitler sollte beseitigt werden. Näheres dürfe er mir noch nicht mitteilen.

Er könne doch aber meiner Mitwirkung sicher sein? Man benötige im Amt einige zuverlässige und entschlossene Beamte. Auf meine Frage, wer beteiligt sei, mochte Trott noch keine Namen nennen, um niemanden zu gefährden.

"Die wissen über jeden von uns ganz genau Bescheid"

Am folgenden Morgen, dem 18. Juli, teilte ich Trott mit, welche Mitglieder des Auswärtigen Amts ich im kritischen Zeitpunkt für gefährlich oder nazistisch eingestellt und welche ich für zuverlässig hielte. Es sei erstaunlich, meinte Trott, wie tadellos das Auswärtige Amt sich über die elf Jahre seit 1933 gehalten habe; die Versuche vor allem des Ministers Joachim von Ribbentrop und seines berüchtigten Unterstaatssekretärs Martin Luther, das Amt zu nazifizieren, seien fehlgeschlagen. Auch wenn in die Presse-, Informations-, Rundfunk- und Inlandabteilung eine Menge unerwünschter Elemente eingedrungen sei, sei der Kern des Amts im wesentlichen gesund.

Dennoch stellte ich Trott die Frage, ob das feindliche Ausland, auf dessen Meinung es doch nach der unvermeidlichen Niederlage ankommen werde, diese Ansicht auch teile. "Lieber Melchers", antwortete Trott, "verlassen Sie sich darauf, die wissen über jeden von uns ganz genau Bescheid. Jeder wird so behandelt werden, wie er es verdient." Aber natürlich, so fügte er hinzu, müsse man dem Feind gegenüber die Schuld der Hitlerregierung für diesen Krieg voll zugeben.

Die nächste Unterhaltung zwischen uns fand am gleichen Tage nachmittags statt. Trott weihte mich nun ein, dass unser gemeinsamer Freund, der Vortragende Legationsrat Hans Bernd von Haeften, als Verbindungsmann zwischen den Militärs und dem Auswärtigen Amt fungiere. Sein Bruder sei der Adjutant des Obersten Graf Stauffenberg. Für uns hier in Berlin sei zunächst der Chef des Inlandheeres General Friedrich Olbricht maßgebend. Eine maßgebende Rolle spiele auch Generaloberst Ludwig Beck.

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