Hintergrund zum Projekt #Kunstjagd:Rettung vor dem sicheren Tod

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"Andere handelten aus Solidarität mit den verfolgten Gruppen, denen sie sich zugehörig fühlten", erklärte Spuhler: Sie waren selbst Juden, Katholiken, Protestanten, Kommunisten oder Sozialdemokraten, oder fühlten sich diesen verbunden. Viele dieser Helfer sind namentlich nicht bekannt - bis auf wenige Ausnahmen.

"Er rettete vor dem Zweiten Weltkrieg vielen verfolgten Menschen das Leben", heißt es auf einer schlichten Tafel in St. Gallen. Mit ihr ist der frühere Polizeikommandant und Flüchtlingsretter Paul Grüninger in einem feierlichen Akt geehrt worden.

Ein Held, der als Verbrecher galt

Grüningers Tochter Ruth Roduner, 93, enthüllte die Gedenktafel im vergangenen Jahr am Eingang zur Polizeistation. "Paul Grüninger sollte uns allen ein Vorbild sein", sagte der St. Galler Justiz- und Polizeidirektor Fredy Fässler. "Grüninger war als Polizeikommandant der einzige Fluchthelfer mit solch einem bedeutenden Rang innerhalb der öffentlichen Verwaltung", sagte Fässler. Der Kanton St. Gallen darf stolz sein auf seinen ehemaligen Polizeikommandanten. Das war nicht immer so.

Grüninger starb 1972 verarmt und in dem Ruf, ein Verbrecher zu sein. Weil er Tausenden jüdischen und anderen Flüchtlingen geholfen hatte, illegal in die Schweiz einzuwandern, musste der Polizeihauptmann zur Strafe sein Amt abgeben, verlor seine Pensionsansprüche und wurde wegen Pflichtverletzung verurteilt.

Bis seine Leistung anerkannt wurde, hat es lange gedauert. Die Schweiz hat sich mit der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit vor und während des Zweiten Weltkriegs nicht leicht getan. Heute aber tragen Straßen und Plätze in Israel, Deutschland und der Schweiz Grüningers Namen, in Sankt Gallen steht ein Paul-Grüninger-Stadion, in Wien eine Paul-Grüninger-Schule. Vergleichbar sei Grüningers Tat allenfalls mit dem Diplomaten Carl Lutz, sagte Fässler. Dieser rettete während des Zweiten Weltkriegs Zehntausende ungarische Juden vor dem sicheren Tod. Lutz arbeitete als Vizekonsul in der Schweizer Botschaft in Budapest.

Wenn ein Diplomat die Kompetenzen überschreitet

Seine humanitäre Aktion gilt als größte zivile Rettungsaktion während des Holocausts. Der sonst eher ängstlich veranlagte Lutz riskierte während der Aktion mehrmals sein Leben, indem er und seine Frau Gertrud sich zwischen bedrohte Juden und ihre faschistischen Häscher stellten.

Doch statt des Danks der Heimat erwartete ihn dort eine Rüge wegen Kompetenzüberschreitung und Spesenrittertums. Seine Berichte über seine Rettungsaktion wurden von seinen Vorgesetzten ignoriert, er selbst wurde in eine untergeordnete Stellung im Außenministerium abgeschoben.

Im Ausland wurde die Leistung von Carl Lutz dagegen rasch anerkannt. Israel ernannte ihn nach Kriegsende als ersten Schweizer zu einem "Gerechten unter den Völkern". Die Bundesrepublik Deutschland verlieh ihm ihre höchste Auszeichnung, das Große Bundesverdienstkreuz.

Die Vereinigten Staaten ehrten ihn bereits drei Jahre nach dem Krieg mit der "Liberty Medal" für besonderen Mut. In der Schweiz bleibt Lutz zu Lebzeiten jede Anerkennung verwehrt. Mit einer Ausnahme: 1963 ernennt ihn seine Heimatgemeinde Walzenhausen in Appenzell Ausserrhoden zu ihrem Ehrenbürger. Bis zu seinem Tod kämpfte Lutz verbittert und vergeblich für seine Rehabilitierung. Erst 1995 - 20 Jahre nach seinem Tod - wurde Carl Lutz zusammen mit Paul Grüninger von Parlament und Bundesrat offiziell rehabilitiert.

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