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Hinrichtungen in Nordkorea:Kims Regime des Schreckens

Mit unerbittlicher Brutalität und Todesurteilen will Kim Jong Un seine Macht festigen. Nicht nur sein Onkel, sondern auch sein ehemaliger Vormund wurde hingerichtet. Zudem sollen Tausende Nordkoreaner bei "Säuberungsaktionen" in Lager verfrachtet werden. Die nordkoreanische Bevölkerung scheint hinter dem 30-Jährigen zu stehen - doch eines hat er nicht bedacht.

Von Christoph Neidhart, Tokio

Nordkoreas junger Diktator Kim Jong Un festigt mit unerbittlicher Brutalität seine Macht. Er hat seinen Onkel und Mentor Jang Song Taek, bisher die Nummer zwei im Land, als "Verräter für alle Zeiten" hinrichten lassen, wie die Parteizeitung Rodong Sinmun meldete. Das Blatt beschimpfte Jang als "Abschaum, schlimmer als ein Hund". Der Onkel habe den Neffen Kim mit seinem "dreimal verfluchten Verrat des Vertrauens und der väterlichen Liebe stürzen wollen".

Solange Kim Jong Il lebte, "hat er es nicht gewagt, seinen Kopf zu heben", aber jetzt habe er sein wahres Gesicht gezeigt. Jang ist in den vergangenen Tagen aus alten Dokumenten, Fotos und Filmen wegretuschiert worden.

Ebenfalls hingerichtet wurde Ri Su Yong, ein anderer früherer Mentor Kims, wie die meist gut informierte japanische Tageszeitung Mainichi berichtete. Ri war 22 Jahre Nordkoreas Botschafter in der Schweiz; hier verwendete er den Namen Ri Chol. Er galt als Kims Vormund, als dieser inkognito in Bern die Schule besuchte. Daneben soll er das auf Bankkonten im Ausland versteckte Vermögen des Familienclans verwaltet haben, schätzungsweise vier Milliarden US-Dollar.

Seit seiner Rückkehr nach Pjöngjang vor drei Jahren hatte der 73-jährige Ri eng mit Jang zusammengearbeitet. Die beiden versuchten, ausländische Investitionen - vor allem aus China - ins Land zu holen, um der nordkoreanischen Wirtschaft zu helfen.

Man dürfe diese "Säuberungen" nicht als Richtungsstreit zwischen Reformern und Hardlinern oder zwischen Kriegstreibern und Anhängern eines Ausgleichs mit Südkorea missverstehen, sagt der Nordkorea-Experte Brian Myers, Professor im südkoreanischen Busan. In Nordkorea gibt es jeweils nur eine Richtung.

Kim Jong Un ist jetzt offiziell "Geliebter Führer"

Viel eher konsolidiert der 30 Jahre alte Kim seine Macht - und er tut das mit einem Regime des Schreckens. Seit vorgestern nennt die Propaganda ihn den "Geliebten Führer". Das war der Titel seines Vaters; damit stellt er sich auf eine Ebene mit Kim Jong Il. Dieser hatte es selber nie gewagt, sich den Titel "Großer Führer" seines Vaters, des Staatsgründers Kim Il Sung, anzueignen.

Derzeit ist nicht klar, ob Jang, Ri und zwei früher hingerichtete Helfer Jangs wirklich gegen Kim konspirierten, weil sie nicht mehr länger mitansehen wollten, wie sich dieser immer wieder verrannte, oder ob die Vorwürfe erfunden sind. Es gibt Gerüchte, wonach bei Säuberungsaktionen zwischen 10.000 und 30.000 Menschen aus ihren Ämtern entfernt oder in Lager verfrachtet werden sollen.

Die nordkoreanische Bevölkerung weine Jang keine Träne nach, vermutet Myers. Der Hingerichtete galt als korrupter Milliardär. Wenn Kim nur einige Spitzenfunktionäre umbringen lasse, könnte er damit vorübergehend sogar etwas Popularität gewinnen. Wenn viele Leute weggesäubert würden, riskiere Kim damit die Stabilität im Land, so Myers.

Kim Jong Un, Nordkorea

Absurde Verehrung: Kim Jong Un lässt sich von seinen Generälen bejubeln

(Foto: dpa)

Nicht bedacht habe der junge Schreckensherrscher, dass er den Mythos der Unfehlbarkeit seiner Familie beschädige, wenn der Enkel den Schwiegersohn des verehrten Staatsgründers Kim Il Sung hinrichten lässt.

In Pjöngjang wird derweil Normalität demonstriert. Mit Seoul vereinbarte der Norden für die kommende Woche Gespräche über den weiteren Ausbau des gemeinsamen Industrieparks Kaesong. In wenigen Tagen erwartet Kim den amerikanischen Ex-NBA-Star Dennis Rodman wieder in Pjöngjang - für eine Reihe von Basketball-Show-Matches.

© Süddeutsche.de/mati/rus

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