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Angriff auf "Heute Show"-Team:Polizei: Es war keine spontane Attacke

heute show: Zerstörte Dreh-Ausrüstung nach einem Angriff in Berlin

Der Übergriff auf das Team der "Heute Show" geschah am Freitag in Berlin auf einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen.

(Foto: dpa)

Erste Details zum Angriff auf das ZDF-Team werden bekannt. Innenminister Seehofer betont, die Sicherheitsbehörden müssten Medienvertreter schützen.

Nach dem Angriff auf ein Team der ZDF-"Heute Show" am Freitag in Berlin hat die Polizei erste Details genannt. Nach Einschätzung der Ermittler lief die Tat nicht spontan ab. Das gehe aus Schilderungen von Zeugen hervor, sagte ein Sprecher der Bundespolizeidirektion Berlin. Die Zeugen hätten Beamte der Bundespolizei auf den Vorfall aufmerksam gemacht, so der Sprecher weiter. Als die Polizisten eintrafen, waren die Täter seinen Angaben zufolge bereits geflüchtet.

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat den Vorfall am Sonntag mit Empörung kommentiert. Er wies auf die Verpflichtung der Sicherheitsbehörden hin, Medienvertreter auch auf Demonstrationen zu schützen. "Die Freiheit der Presse ist eine Säule unserer Demokratie. Der Staat hat zu garantieren, dass dieses Grundrecht zu jeder Zeit und an jedem Ort gewährleistet ist", sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Wer Journalisten angreife, müsse "die Kraft unseres Rechtsstaates zu spüren bekommen", betonte Seehofer. Gewalt und Gewaltandrohungen müssten geächtet werden - "es geht hier um die Grundwerte unseres Gemeinwesens".

Verhaftete kamen aus dem linken Spektrum

Zu den Verdächtigen hieß es von der Polizei in Berlin, dass diese laut Zeugenaussagen mit Fahrrädern und in einem Auto unterwegs gewesen seien. Die alarmierten Bundespolizisten hätten sofort Fahndungsmaßnahmen eingeleitet und die Berliner Polizei informiert. Das Fahrzeug und seine Insassen seien später aufgefunden worden, so der Sprecher. Zum Hintergrund der Attacke und zur Identität der Tatverdächtigen konnte die Bundespolizei keine Angaben machen.

Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Berlin sagte: "Für die Einschätzung: es ist so, dass die Personen, die festgestellt wurden, dem linken Spektrum zuzurechnen sind, nach unseren Erkenntnissen." Er fügte hinzu: "Weil sie bekannt waren, aus welchem Grund auch immer. Das ist alles Gegenstand der Ermittlungen."

Berlins Regierender Bürgermeister Müller sagte im Deutschlandfunk unter Berufung auf Informationen von Innensenator Andreas Geisel (SPD): "Das sieht alles aus nach einer gezielten Aktion, einer - in Anführungszeichen - Racheaktion für diese Dreharbeiten." Näheres wisse er noch nicht. Er hoffe, der Angriff werde ein juristisches Nachspiel haben.

Das siebenköpfige Team der Satiresendung, zu dem neben Kameraleuten, einem Redakteur und Comedian Abdelkarim auch drei Security-Mitarbeiter gehörten, hatte am Freitag bei einer Demonstration gegen die Corona-Regeln gefilmt. Anschließend wurde das Team laut Polizei von 20 bis 25 Vermummten so brutal angegriffen, dass sechs von ihnen im Krankenhaus behandelt werden mussten. Abdelkarim, der als einziger nicht im Krankenhaus behandelt werden musste, dankte über Twitter der Polizei, den Zeugen, den Rettungssanitätern und den Sicherheitsleuten, die sein Team begleitet hatten.

© SZ.de/dpa/bix/che/leja

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