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Hessen: Roland Koch analysiert:CDU ließ mich mit Nitroglycerin allein

Der scheidende hessische Ministerpräsident Koch leidet an seinem schlechten Image. Schuld seien die Vorgänger, die ihm die Spendenaffäre vererbten.

Es waren die anderen. In der CDU-Spendenaffäre, die in Hessen hässliche Auswüchse ("jüdische Vermächtnisse") zeigte, sieht sich Roland Koch jetzt zehn Jahre danach als Opfer. "Ich wurde in den Dschungel der Spendenaffäre hineingezerrt und habe etwas übernommen, was ich hinten und vorne nicht übersehen konnte", sagt der scheidende Ministerpräsident in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Hessentag in Stadtallendorf

Hessens scheidender Ministerpräsident Roland Koch - will besser kochen lernen.

(Foto: dpa)

Es handelt sich um eine Selbstanalyse des CDU-Politikers, der offenbar unter seinem schlechten Image leidet. "Parteimitglieder hatten mir Nitroglycerin übergeben, ohne Gebrauchsanweisung", erklärt Koch. Alle bleibt anonym, doch man kann sich leicht vorstellen, wen er meint: Leute wie Manfred Kanther und Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein.

Koch war zwar früh in den Machtappart der hessischen CDU eingebunden, doch innerlich will er stark auf Distanz gegangen sein. "Hätte ich meinen persönlichen Wünschen und Gefühlen nachgegeben, hätte ich im Januar 2000 gesagt: Lasst mich in Ruhe, was habe ich mit dem Erbe aus den achtziger Jahren zu tun? Ich gehe zurück in meine Kanzlei."

Seine weitere Karriere als Ministerpräsident und führender CDU-Mann war demnach eine einzige Selbstaufopferung. Hätte er zurückgezogen, dann "wäre meine Partei nicht seit über zehn Jahren die bestimmende politische Kraft in Hessen", sagt er. "Ich wusste damals: Es geht nicht anders."

In dem FAS-Gespräch gibt Koch zu, dass er sich "in einer bestimmten Sekunde falsch verhalten habe". Gewisse Unehrlichkeiten konterkarierten das Bild von der "brutalstmöglichen Aufklärung", das er selbst in die Medien gebracht hat. Er habe den Begriff ein einziges Mal verwendet, live im heute-journal. "Ich habe auch nichts gegen das Copyright auf dieses Wort, falls es so sein wollte", führt Koch weiter aus. Er spreche Dinge mit Klarheit und Härte an und bringe "eine politische Debatte auf Ja-Nein-Fragen".

Ja? Nein? Was Koch im nächsten Jahr nach seinem Rückzug von allen politischen Ämtern machen will, lässt er weiter im Unklaren. Er suche keinen ruhigeren Job, "aber einen anderen - auch was die emotionale Belastung angeht".

Die bunte Exklusivmeldung hob sich der hessische Ministerpräsident für die Boulevardpresse auf. "Ich will bei einem Spitzenkoch lernen, um meine Frau noch besser bekochen zu können", sagt der 52-Jährige der Bild am Sonntag. Ehefrau Anke sei "der ruhende Pol" in seinem Leben. Die Gattin freue sich bereits auf die neuen Pasta-Gerichte ihres Ehemannes.

Hier formuliert er zu seiner beruflichen Zukunft: "Ich unterschreibe nirgendwo, solange ich Ministerpräsident des Landes Hessen bin. Mal sehen, wer mich will."

© (sueddeutsche.de)/bica

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