Wahlanalyse:Die Alten wählen CDU und SPD

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Die Grünen bekommen ihre Stimmen hingegen von jüngeren Wählern. Eine Analyse des Wahlverhaltens der sozialen Gruppen in Hessen.

Von Katharina Brunner und Markus C. Schulte von Drach

CDU und SPD haben in Hessen nicht nur ihre schlechtesten Ergebnisse seit Jahrzehnten eingefahren. Das Wählerverhalten der verschiedenen sozialen Gruppen weist auch darauf hin, dass beide Parteien bestimmten Gruppen nur noch wenig zu bieten haben. Das zeigen die Ergebnisse der Umfragen der Forschungsgruppe Wahlen. So sind die beiden alten Parteien inzwischen auch die Parteien der Alten: Beide finden unter den Wählern über 60 Jahre die meisten Stimmen.

Die CDU konnte in dieser Altersgruppe 35 Prozent der Stimmen gewinnen, die SPD immerhin noch 27 Prozent. Unter den jüngsten Wählern (unter 30 Jahre) dagegen konnten die Christdemokraten nicht einmal jeden Fünften überzeugen, bei der SPD kamen ebenfalls die wenigsten Stimmen von den jungen Wählern.

Ganz anders sieht es da bei den Grünen aus, die ein Rekordergebnis erreicht haben. Sie finden den geringsten Zuspruch bei den Wählern in der Altersgruppe über 60 Jahren. Dafür haben immerhin 25 Prozent der jüngsten Wähler für sie gestimmt.

Verhältnismäßig gut schneiden auch die Linken bei den Jüngeren ab, von denen zehn Prozent hier ihr Kreuz gemacht haben, und auch die FPD hat hier mit neun Prozent die meiste Zustimmung. Auf der anderen Seite war bei beiden Parteien der Anteil der Stimmen, die sie für sich gewinnen konnten, unter den Ältesten am kleinsten.

Die AfD, die erstmals in den hessischen Landtag einzieht, wurde vor allem von Wählern im Alter zwischen 30 und 59 gewählt. 15 Prozent dieser Altersgruppe konnte die Partei für sich gewinnen, während 2013 eher die Jüngeren für sie gestimmt hatten. Von jenen über 60 Jahren stimmten lediglich elf Prozent für die AfD.

Unterschiede zwischen Berufs- und Bildungsgruppen

Deutliche Unterschiede sind bezüglich der verschiedenen Berufs- und Bildungsgruppen zu beobachten. So fanden die Christdemokraten die größte Zustimmung unter den Selbstständigen, von denen jede dritte Stimme an die CDU ging. Mit 27 und 28 Prozent lag der Anteil der Angestellten und Beamten, die die Partei wählten, etwas niedriger. Aber nicht einmal jeder vierte Arbeiter wollte hier das Kreuz machen.

Für die Sozialdemokraten stimmten dagegen mit 25 Prozent zwar mehr Beamte als Arbeiter (23 Prozent), noch geringer war aber die Zustimmung unter Angestellten, und nur zwölf Prozent der Selbstständigen wählte die SPD.

Wenig überraschend ist, dass immerhin zwölf Prozent der Selbstständigen für die FPD stimmten und nur fünf Prozent der Arbeiter. Für die Linken entschieden sich lediglich sieben Prozent der Arbeiter, und damit kaum mehr als Angestellte, Beamte und Selbstständige (jeweils sechs Prozent). Für die Grünen stimmte dagegen fast jeder vierte Angestellte, jeder fünfte Beamte und Selbstständige, und nur 11 Prozent der Arbeiter.

Bezüglich der Bildung fällt auf, dass die CDU eher bei Wählern mit Hauptschulabschluss Zustimmung fand (32 Prozent) als bei jenen mit Abitur (23 Prozent). Einen Hochschulabschluss hatte nur jeder vierte Wähler, mittlere Reife besaßen immerhin 28 Prozent.

Bei der SPD war, wie bei der Union, die Gruppe der Wähler mit Hauptschulabschluss mit 29 Prozent die größte. Lediglich 16 Prozent der Wähler mit Abitur stimmten für die Sozialdemokraten und nur etwa jeder fünfte mit mittlerer Reife oder Hochschulabschluss. Die FDP-Wähler dagegen verteilten sich bezüglich der Bildung relativ gleichmäßig mit Anteilen zwischen sechs Prozent mit Haupt- und acht Prozent mit Hochschulabschluss.

Die Wahl bestätigt einmal mehr, dass die Grünen unter Akademikern beliebt sind. Ihre Stimmen erhielten sie vor allem von Wählern mit Hochschulabschluss (29 Prozent) oder Abitur (27 Prozent). Weder unter den Wählern mit Hauptschulabschluss noch mit mittlerer Reife konnten sie viele Stimmen gewinnen. Bei den Linken zeigte sich eine ähnliche Tendenz: Unter Wählern mit Abitur oder den Akademikern lag der Anteil bei neun beziehungsweise acht Prozent, bei jenen mit Hauptschulabschluss oder mittlerer Reife war er halb so groß.

Für die AfD stimmten 22 Prozent der Arbeiter, sowie 16 Prozent der Wähler mit Hauptschulabschluss (16 Prozent) oder Mittlerer Reife (16). Unter den Akademikern war der Anteil nur halb so groß.

Auch unter Männern und Frauen sind verschiedene Wahltendenzen zu beobachten Am deutlichsten zeigte sich das bei der Zustimmung zur AfD. Mit 16 Prozent war der Anteil unter den Männern, die sie wählten, deutlich höher als bei Frauen, bei denen es nur neun Prozent waren. Umgekehrt sieht es bei den Grünen aus: Mit 23 Prozent der Frauen war deren Anteil unter den Wählern der Grünen deutlich größer als der der Männer (18 Prozent).

Bei CDU und SPD dagegen war die Zustimmung unter den Geschlechtern nicht sehr verschieden. Für die Union etwa stimmten 27 Prozent der Frauen und 26 Prozent der Männer, bei der SPD ist der Anteil der männlichen Wähler mit 19 Prozent etwas geringer als der der weiblichen Wähler (21 Prozent).

Ein ausgewogenes Verhältnis beim Geschlecht der Wählerinnen und Wähler zeigten auch die Linken und die FDP, für die jeweils etwa sieben Prozent der Männer und Frauen stimmten.

(Die Zahlen basieren auf einer Telefonumfrage der Forschungsgruppe Wahlen unter 1607 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Hessen in der Woche vor der Wahl und einer Befragung von 17 333 WählerInnen am Wahltag.)

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