Kommunalwahl in Hessen:Es grünt

DEU Deutschland Hessen Kassel 12 03 2016 Rathaus

Auch ins Rathaus in Kassel sind die Grünen bei der hessischen Kommunalwahl eingezogen.

(Foto: imago stock&people/imago/Rüdiger Wölk)

Bei der Kommunalwahl erobern die Grünen zahlreiche Rathäuser, so auch in Frankfurt und Kassel. Vor allem für die SPD verlief der Wahltag bitter.

Von Matthias Drobinski, Frankfurt

In Frankfurt liegen sie vorne. In den Universitätsstädten Gießen, Marburg und Darmstadt sowieso. Aber auch in Kassel, wo einst die SPD und nur die SPD regierte: Die Kommunalwahlen in Hessen haben den Grünen viele Erfolge und einige Triumphe gebracht; auch in der Landeshauptstadt Wiesbaden liegen Grüne und CDU derzeit gleichauf. Der Streit um den Bau der Autobahn A 49 hat der Partei offenbar nicht geschadet - wobei in Marburg die konkurrierende Klimaliste mehr als fünf Prozent erhält.

Ungefähr 4,7 Millionen Menschen in Hessen waren aufgerufen, in 422 Städten und Gemeinden sowie 21 Landkreisen die Parlamente neu zu wählen; zudem waren 31 Bürgermeister-Posten zu besetzen. Bei der Kommunalwahl in Hessen kann man kumulieren, also einzelnen Kandidatinnen und Kandidaten verschiedener Parteien bis zu drei Stimmen geben, oder auch einfach eine Liste ankreuzen. Das bedeutet auf der einen Seite mehr Wahlmöglichkeiten, allerdings auch mehr Verwirrung angesichts von Wahlzetteln in Badehandtuch-Größe. Vor allem aber bedeutet es mehr Arbeit, und so waren am Montag in den meisten Städten und Gemeinden nur jene Stimmzettel ausgezählt, auf denen jemand nur eine Liste angekreuzt hatte und keine Einzelpersonen. Mit dem endgültigen Ergebnis wird erst im Lauf der Woche gerechnet.

In Frankfurt stürzte die SPD ab, wohl auch wegen der Affäre um OB Feldmann

In Frankfurt geht der Erfolg der Grünen (25,6 Prozent, plus 10,3 Punkte im Vergleich zu 2016) mit dem Absturz der SPD einher. Die Sozialdemokraten bekommen mit nur noch 16,6 Prozent (minus sieben Punkte) die Quittung für die Affäre um den SPD-Oberbürgermeister Peter Feldmann - gegen ihn und seine Frau ermittelt nun die Staatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsnahme im Zusammenhang mit dem AWO-Skandal. Die CDU kann mit 23,6 Prozent ihren Anteil nahezu halten. Regiert wird die Stadt künftig wohl von einem Bündnis aus Grünen, CDU und FDP - die Konflikte mit OB Feldmann sind absehbar.

Auch in Kassel muss die SPD, die Partei von Oberbürgermeister Christian Geselle, deutliche Verluste hinnehmen und kommt derzeit auf 24,8 Prozent der Stimmen (minus 4,7 Punkte). Die Grünen liegen bei 28,2 Prozent, ein Plus von zehn Punkten. Wahrscheinlich ist eine grün-rote Koalition in Nordhessens größter Stadt.

Im Kreis Offenbach wurde die AfD nahezu pulverisiert

Die CDU bleibt stark, wo sie traditionell stark ist, in den katholischen Gebieten Osthessens. In Fulda erreicht sie 42,3 Prozent, in Alsfeld 49,5, in Hünfeld 53,1 und in Nüsttal in der Rhön gar 67,2 Prozent. Was allerdings nichts ist im Vergleich zur höchsten Burg der SPD im Land: im nordhessischen Ludwigsau kommt die Partei auf 90,8 Prozent der Stimmen, angetreten war dort allerdings außer der SPD nur die FDP. In Breuna gibt es 66,5 Prozent für die Sozialdemokraten, in Sontra 59,7, im Kreis Kassel immerhin noch 39,4 Prozent. Ein schwacher Trost für die Verluste in der Stadt.

Die AfD erzielt ihren höchsten Stimmenanteil in Greifenstein im Lahn-Dill-Kreis (14, 3 Prozent) und mit 11,5 Prozent im Landkreis Fulda. In Rödermark im Kreis Offenbach pulverisiert der Wähler-Wille die AfD geradezu: Vor fünf Jahren kam sie dort noch auf 12,9 Prozent. 2021 sind es nur noch 1,6 Prozent.

© SZ/zoc
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