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Hessen:Neue NSU-2.0-Drohmails an "größeren Empfängerkreis" versandt

Durchsuchung bei Bethmann Bank in Frankfurt/Main

Frühere Drohmails wurden unter anderem aus Polizeirevieren in Frankfurt am Main versandt. (Symbolbild)

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Wieder enthalten die Schreiben Todesdrohungen gegen drei Linken-Politikerinnen sowie die Kabarettistin İdil Baydar. Am Dienstag war Hessens Polizeichef wegen der Affäre zurückgetreten.

Die Serie der Drohmails gegen Politikerinnen und andere Frauen des öffentlichen Lebens reißt nicht ab. Nach Angaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft sind erneut mit "NSU 2.0" unterzeichnete Drohmails eingegangen, in denen den Linken-Politikerinnen Janine Wissler, Martina Renner und Anne Helm sowie der Kabarettistin İdil Baydar der Tod gewünscht wurde.

Sie seien "an einen größeren Empfängerkreis" gegangen und in ähnlicher Art abgefasst wie die vorangegangenen Drohschreiben, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. Zuvor hatte die "Hessenschau" darüber berichtet. Demnach gingen die Mails an Fraktionen im Hessischen Landtag und an die Redaktion der "Maybritt Illner"-Talkshow beim ZDF.

Fast zwei Jahre, nachdem die Frankfurter Anwältin Seda Başay-Yıldız die erste Adressatin von Drohschreiben gegen sich und ihre Familie wurde, ist noch nicht bekannt, wer hinter den Schreiben steckt. In den Fällen von Başay-Yıldız, Wissler und Baydar wurden persönliche Daten der Frauen von Polizeicomputern in Frankfurt und Wiesbaden abgefragt, ehe Drohschreiben verschickt wurden.

Am Dienstag hatte Innenminister Peter Beuth (CDU) Landespolizeipräsident Udo Münch in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Münch übernahm damit die Verantwortung für die späte Information der Ministeriumsspitze über die Abfragen von Wisslers Daten.

© SZ/dpa/bix
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