Corona-Bekämpfung:So will die EU besser durch die nächste Pandemie kommen

Impfstoff-Fabrik in Sachsen-Anhalt: Die EU will sicherstellen, dass bei Pandemien schnell viel Vakzin und Arzneien produziert werden können.

Impfstoff-Fabrik in Sachsen-Anhalt: Die EU will sicherstellen, dass bei Pandemien schnell viel Vakzin und Arzneien produziert werden können.

(Foto: Hendrik Schmidt/dpa)

Die EU-Kommission baut eine neue Gesundheitsbehörde auf. Die soll im Krisenfall schnell Arzneien und Impfstoffe ordern - eine Lehre aus den Fehlern des vergangenen Jahres.

Von Björn Finke, Brüssel

Das US-Vorbild wird Barda abgekürzt, doch Europa soll nun eine Hera bekommen. Dies ist die englische Abkürzung für die geplante "EU-Behörde für die Krisenvorsorge und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen". So lang der Name, so wichtig die Aufgabe: Hera soll sicherstellen, dass bei künftigen Pandemien rasch Forschung und Produktion von Impfstoffen und Arzneimitteln hochgefahren werden. Das ist eine Lehre aus der Corona-Krise. Hätte es vor anderthalb Jahren schon Hera gegeben, "hätten unsere Bereitschaft und Krisenreaktion deutlich anders sein können", sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides am Donnerstag bei der Vorstellung der Behörde. Deutlich anders heißt: deutlich schneller und besser.

Die Vereinigten Staaten profitierten davon, dass sich schon seit 2006 die Biomedical Advanced Research and Development Authority (Barda) um solche Aufgaben kümmert. Die Behörde konnte zum Start der Pandemie Anfang 2020 schnell Milliarden an Pharmakonzerne ausschütten, für die Forschung und den Aufbau von Produktionskapazitäten. Die EU hingegen war unvorbereitet; als die Kommission im Sommer begann, mit Herstellern über Vakzinbestellungen zu verhandeln, hatte sie keine Erfahrung und ein vergleichsweise bescheidenes Budget.

Die Fachleute sollen nach künftigen Gesundheitsgefahren fahnden

Hera soll keine eigenständige Behörde werden, sondern innerhalb der Kommission angesiedelt sein und Anfang kommenden Jahres loslegen. Der Etat bis Ende des mehrjährigen Haushalts 2027 beträgt sechs Milliarden Euro. Die Hera-Fachleute sollen nach möglichen künftigen Gesundheitsgefahren fahnden und zusammen mit EU-Regierungen und der Industrie sicherstellen, dass Europa gut vorbereitet ist.

Die Einheit wird Forschung unterstützen und mithelfen, die Produktionskapazitäten für Arzneien, medizinische Ausrüstung und Impfstoffe zu erhöhen. Dafür will die Kommission unter anderem eine Reserve schnell abrufbarer Fabrikkapazitäten schaffen; die Ausschreibung soll Anfang 2022 stattfinden. Hera baut hier auf der Arbeit der Task Force von Binnenmarktkommissar Thierry Breton auf. Der Franzose und sein Team haben mit der Industrie bereits die Vakzinfertigung kräftig vergrößert. Inzwischen gibt es in der EU 55 Werke.

Insgesamt sollen 50 Milliarden Euro investiert werden

Im Krisenfall soll Hera dann schnell Impfstoffe und Arzneien für die ganze EU ordern und gezielt Forschung fördern. Es sollen rasche Entscheidungen möglich sein - dank eines Krisenstabs mit Vertretern von Kommission und Mitgliedstaaten. Das wäre eine klare Verbesserung zur gemeinsamen Impfstoffbeschaffung im vergangenen Jahr. Wegen unterschiedlicher Interessen und Ansichten der EU-Staaten zogen sich zum Beispiel die Diskussionen ewig hin, wie viel Vakzin die Kommission von Biontech und Pfizer kaufen soll.

Nach Angaben der Brüsseler Behörde wird die EU bis 2027 fast 30 Milliarden Euro in die Stärkung der Gesundheitssysteme investieren. Neben den sechs Milliarden Euro für Hera geht es da um Zuschüsse aus den Fonds für benachteiligte Regionen oder auch um Mittel aus dem Corona-Hilfstopf. Werden Investitionen der nationalen Regierungen und der Wirtschaft hinzugerechnet, liegt der Betrag sogar bei 50 Milliarden Euro.

© SZ
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