bedeckt München 18°

Helmut Schmidt:"Er war ein erleuchteter Kanzler"

Helmut Schmidt tot

Helmut Schmidt 2012 in Hamburg

(Foto: dpa)

Auch im Ausland ist die Anteilnahme groß. Bedeutende internationale Politiker erinnern sich.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker würdigte Schmidt als einen "Freund, der mir, ebenso wie Europa, fehlen wird. Denn mit ihm verlieren wir einen besonderen Menschen, dessen politischer Mut viele bewegt hat. Ein besonderer Mut hat Helmut Schmidt ausgezeichnet: der Mut in die Zukunft zu denken. Dieser Mut ist auch sein Auftrag an uns, niemals aufzugeben, wenn es um Europa geht."

Der frühere italienische Ministerpräsident und EU-Kommissionschef Romano Prodi bezeichnete Schmidt als "einen der großen Väter Europas". "Er war ein erleuchteter Kanzler Deutschlands, immer aufmerksam bei den komplexen internationalen Problemen und mit einer außerordentlichen Sensibilität im Umgang mit den Themen der Sozialpolitik ausgestattet".

Der ehemalige italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano erinnerte sich an Schmidt als "großartigen Protagonisten" der europäischen Politik. Schmidt sei "einer der wichtigsten Repräsentanten der zweiten Generation der Gründerväter eines vereinten Europas", heißt es in einem Brief Napolitanos an die Familie Schmidts. "Helmut Schmidt hat nie aufgehört, seinen großen gedanklichen Beitrag und Kampfgeist für die Integration und Einheit Europas in Freiheit und Frieden und für das europäische Engagement Deutschlands zu leisten", lobte Napolitano.

EZB-Präsident Mario Draghi würdigt Schmidt als europäische Führungspersönlichkeit. "Mit dem Tod von Helmut Schmidt hat Europa einen seiner großen Führer verloren", schrieb Draghi im Kurznachrichtendienst Twitter. "Ich bewunderte die Tiefe von Helmut Schmidts Wissen und die Wärme seiner Persönlichkeit." Er werde seine Begegnungen mit Schmidt niemals vergessen, erklärte der Chef der Europäischen Zentralbank.

Frankreichs Präsident François Hollande nannte Schmidt einen "großen Europäer" und "großen Staatsmann". Er habe in der Europapolitik vorbereitet, was sein Nachfolger Helmut Kohl und der damalige französische Staatspräsident François Mitterrand vollendet hätten. "Er war ein Mann, der bis zu seinem letzten Atemzug Stellung bezogen hat, vor allem, um den Deutschen zu sagen, welche Rolle sie zu spielen haben", sagte Hollande.

"Er war der beste Kanzler, den Deutschland gekannt hat seit Konrad Adenauer"

Ministerpräsident Manuel Valls betonte während einer Sitzung der Nationalversammlung die Bedeutung Schmidts für die Verbindung zwischen Deutschland und Frankreich. "Er hat durch seine Äußerungen und seine Persönlichkeit stets seine Überlegungen klargemacht zur Rolle und zum Platz Deutschlands in Europa und den besonderen Beziehungen mit Frankreich." Die Abgeordneten der Nationalversammlung erhoben sich anschließend für anhaltenden Applaus.

Der frühere französische Präsident Valéry Giscard d'Estaing bezeichnet den Tod von Schmidt als einen persönlichen Verlust. "Er war der beste Kanzler, den Deutschland gekannt hat seit Konrad Adenauer", schrieb der 89-Jährige in einer Stellungnahme. "Er hat die äußere Würde seines großen Landes wiederhergestellt." Schmidt sei ein überzeugter Europäer gewesen, der die europäische Integration bis hin zur Schaffung des Euro vorangetrieben habe. "Dank seines Realismus' und seines Respekts für andere konnten wir gemeinsam das goldene Zeitalter zwischen Frankreich und Deutschland schaffen."

D'Estaing (1974-1981) und Schmidt (1974-1982) hatten fast identische Amtszeiten als Staatspräsident und Bundeskanzler. D'Estaing bezeichnete Schmidt als "einen warmherzigen, treuen und ehrlichen Freund, mit dem ich die Ehre hatte, schwere Stunden unserer Zeit zu durchqueren und den ich respektvoll in Erinnerung behalten werde".

Der russische Präsident Wladimir Putin drückte der Bundesrepublik sein Beileid zum Tod von Helmut Schmidt aus. In einem Telegramm an Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel bezeichnete er Schmidt als "herausragende Persönlichkeit Nachkriegsdeutschlands für die europäische und globale Politik". Das teilte der Kreml am Dienstagabend in Moskau mit. Schmidt habe einen erheblichen persönlichen Beitrag zur Entwicklung und Stärkung guter Beziehungen zwischen Deutschland und Russland geleistet.

Den Nachruf auf der Seite Drei mit SZplus lesen:

© SZ.de/dayk/pamu

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite