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Helmut Kohl wird 80:"Noch viele gute Jahre mit meiner Frau"

Zum 80. Geburtstag feiert vor allem die Junge Union ihren politischen Großvater Helmut Kohl. Der Altkanzler selbst hat nur einen Wunsch.

Zum 80. Geburtstag von Helmut Kohl (CDU) haben Spitzenpolitiker in ganz Deutschland die Verdienste des Altkanzlers um die Wiedervereinigung und die europäische Einigung gewürdigt. Erzbischof Robert Zollitsch lobte Kohl am Samstag als "Persönlichkeit mit visionärem Weitblick". Eine besondere Aktion startete die Junge Union: 500 Mitglieder brachten Kohl vor seinem Haus in Oggersheim ein Geburtstagsständchen.

Unter der Leitung des populären Dirigenten Gotthilf Fischer sangen sie "Zum Geburtstag viel Glück", "Kein schöner Land" und die Nationalhymne. Kohl verfolgte den für ihn überraschenden Auftritt sichtlich berührt vom Rollstuhl vor der Haustür aus und sang die Nationalhymne mit. Bei dem Geburtstagsständchen wippte er mit dem Fuß mit und bedankte sich mit Beifall.

Schaulustige und Fotografen verfolgten die Szene. Der JU-Vorsitzende Philipp Mißfelder sagte, die CDU verstehe sich als große Familie. Im Namen der JU würdigte er Kohl als deren politischen Großvater. Kohl war 16 Jahre Bundeskanzler und 25 Jahre CDU-Vorsitzender. Auf riesigen Transparenten war zu lesen: "Immer unser Kanzler"und "Wir danken Dir, Kanzler der Einheit". Die JU ließ Hunderte schwarz-rot-goldene Luftballons aufsteigen.

Zu seinem 80. Geburtstag hatte Kohl für den Nachmittag Gäste zu einer privaten Geburtstagsfeier eingeladen. Nach seiner Gallenblasenoperation habe der Genesungsprozess Vorrang vor offiziellen Terminen, teilte sein Büro mit.

Außenminister Guido Westerwelle erklärte in einem Glückwunschschreiben, Kohl habe das Angesicht der Bundesrepublik Deutschland durch seine Politik gestaltet und das deutsche Ansehen weltweit gestärkt. "Unerschrocken und grundsatztreu haben Sie unübersehbare Akzente und entscheidende Impulse gesetzt, die Europa nachhaltig geprägt haben", schrieb der FDP-Politiker. "Ihre Verdienste um die deutsche Einheit und die europäische Einigung werden für immer ein Teil der europäischen Geschichte bleiben."

Auch der russische Präsident Dmitri Medwedew schickte ein Glückwunschtelegramm: Kohl habe als Bundeskanzler zu einem Neustart der deutsch-russischen Beziehungen beigetragen. Das Verhältnis stütze sich heute auf einen vertrauensvollen Dialog.

Auf der von der CDU geschalteten Internetseite www.helmut- kohl.cdu.de trugen sich Tausende Gratulanten ein. Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel schickte ihm auf diesem Weg eine Videobotschaft, in der sie erneut Kohls Leistungen um die Deutsche Einheit hervorhob. Sie erinnerte an ein Treffen von Kohl mit dem DDR- Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker in Bonn 1987. Kohl habe damals gesagt, das Bewusstsein für die Einheit der Nation sei wach und der Wille dazu ungebrochen. Das habe DDR-Bürger weiter hoffen lassen.

In der Bild am Sonntag schilderte sie ihre persönlichen Eindrücke von Kohl. Er habe "bei jeder Begegnung zuerst den Menschen und erst dann den Politiker gesehen", sagte Merkel. Darüber hinaus habe Helmut Kohl immer in großen geschichtlichen Zusammenhängen gedacht und schließlich sei er trotz jahrzehntelanger politischer Arbeit immer neugierig auf die Alltagserfahrungen der Menschen geblieben.

Kohl war von 1973 bis 1998 Bundesvorsitzender der CDU und von 1982 bis 1998 Bundeskanzler. Seinen Ehrenvorsitz hatte er Anfang 2000 nach knapp zwei Jahren auf Druck der Parteispitze wegen der CDU-Spendenaffäre zurückgegeben. Er hatte sich geweigert die Namen der Spender zu nennen, von denen er Geld am Gesetz vorbei angenommen hatte. Bis heute schweigt er dazu. Der Bild sagte er zu Forderungen aus der CDU, ihm den Ehrenvorsitz wieder anzutragen: "Diese Frage stellt sich für mich im Moment nicht". Merkel hatte zuvor dazu gesagt: "Diese Frage stellt sich nicht mehr."

In dem Interview erklärte Kohl außerdem, vor zwei Jahren, nach seinem schweren Sturz, habe es kaum noch Hoffnung gegeben. Der Politiker erlitt damals ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und wurde noch am selben Tag operiert. "Wenn meine Frau nicht gewesen wäre, wäre ich nicht mehr am Leben", sagte Kohl. Sieben Jahre nach dem Freitod seiner Frau Hannelore, die an einer unheilbaren Lichtallergie litt, hatte er 2008 die wesentlich jüngere Regierungsdirektorin Maike Richter geheiratet.

Kohl sagte, es wäre übertrieben zu sagen, "es geht mir richtig gut". Das Sprechen und das Laufen falle ihm immer noch schwer. Er wünsche sich zum Geburtstag, "dass ich mit meiner Frau noch viele schöne und gute Jahre habe". Die Spendenaffäre, die 1999 zum Bruch von Teilen der Partei mit ihrem Übervater Kohl geführt hatte, bezeichnete er als "Schicksalsschlag".

Am 5. Mai geben die Stadt Ludwigshafen und das Land Rheinland-Pfalz, dessen Ministerpräsident Kohl von 1969 bis 1976 war, einen gemeinsamen Empfang. Merkel hat ihre Teilnahme bereits zugesagt. Die Laudatio soll der frühere Bundespräsident Roman Herzog halten.

Wie das Handelsblatt unter Berufung auf eigene Informationen berichtete, hat Kohl dafür gesorgt, dass Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker nicht an den Feierlichkeiten teilnehmen wird. Kohl hatte Weizsäcker zunächst gefördert und als Bundespräsident 1984 durchgesetzt, sich später aber von ihm angewandt.