Heiliges Römisches Reich:Investiturstreit und Gang nach Canossa

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Kaiser Heinrich IV. im Schlosshof von Canossa

"Barfuß und nüchtern", so soll König Heinrich IV. 1077 vor der Burg Canossa ausgehalten haben; die Radierung stammt aus dem 19. Jahrhundert.

(Foto: SZ Photo)

Zu Beginn des 11. Jahrhunderts kam es zum ersten großen Machtkonflikt zwischen geistlicher und weltlicher Obrigkeit. Ursache war die so genannte Investitur der Äbte und Bischöfe, welche von den Grundherrn vor Ort durchgeführt wurde.

Otto I. begründete den starken Einfluss der Landesherren auf die Einsetzung von Kirchenoberen mit diesem so genannten Eigenkirchenrecht. Mit Hilfe des Rechts zur Einsetzung von Bischöfen und Äbten sicherten sich die Landesherren die Unterstützung der vermögenden Kirchenoberen und boten diesen im Gegenzug Schutz an.

Viele Kritiker lehnten die Investitur durch die weltlichen Herrscher ab, weil die Kirche auf diese Weise ihre religiöse Bedeutung verloren hatte und nur noch nach ihrem materiellen Wert bemessen wurde.

Auslöser des Streits war die Neubesetzung des Erzbischofs von Mailand im Jahre 1071 durch Heinrich IV.. Sein Kandidat für das Amt war vom Vorgänger von Papst Gregor VII. aus der Kirche ausgeschlossen worden und stieß somit auf den Widerstand des Vatikans. Heinrich IV. setzte aber seinen Kandidaten durch. Der Papst drohte mit dem Kirchenbann, weshalb sich viele deutsche Bischöfe für Heinrich IV. Partei ergriffen.

Der politische Konflikt eskalierte im Jahre 1076. Zuerst forderte Heinrich in Worms den Rücktritt von Papst Gregor VII.. Anschließend vollzog Gregor den Kirchenbann gegen Heinrich. Als Reaktion darauf wechselten viele Fürsten die Seiten und des Kaisers Einfluss drohte zu schwinden. So war er gezwungen, als Zeichen der Unterwerfung, im Büßergewand zu Papst Gregor nach Canossa zu pilgern, um seinen Kirchenbann zu lösen.

Ein Kompromiss im Investiturstreit wurde 1122 auf dem Konzil in Worms gefunden. Der Kaiser verzichtete auf die direkte Einsetzung der Bischöfe. Er war lediglich bei der Bischofswahl anwesend und traf eine Entscheidung, wenn keine Einigung zustande kam.

Auch wenn der Kaiser einige Vorrechte gewann, wurde der Einfluss des Papstes wieder hergestellt. Erkennbar wurde sein gewachsener Einfluss an der hohen Beteiligung der Fürsten an den Kreuzzügen in den nachfolgenden Jahren.

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