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Heiliges Römisches Reich:Geschichte der staatlichen Emanzipation

Große Ausstellung zu Kaiser Otto IV.

Reichskrone von Kaiser Otto IV., dem einzigen Welfen-Herrscher des römisch-deutschen Reiches

(Foto: dpa)

Die Geschichte des Römisch-Deutschen Reiches ist gepflastert mit politischen Meilensteinen: Investiturstreit, Augsburger Religionsfriede, Dreißigjähriger Krieg und dem Reichsdeputationshauptschluss. Ein Überblick.

Die Geschichte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ist auch die Geschichte der Emanzipation der weltlichen Obrigkeit von der geistlichen. Am Anfang stand ein Reich, dessen Oberhaupt sich über die christliche Religion legitimierte. 800 Jahre später waren säkulare Territorialstaaten entstanden.

Das schwer zu fassende politische Gefüge war zunächst ein relativ lockerer Verbund aus deutschen Herzogtümern inklusive der Gebiete in Norditalien und Burgund. Zunächst hieß es nur "Heiliges Römisches Reich", der Zusatz "Deutscher Nation" kam erst im 15. Jahrhundert dazu, als die Vormacht der deutschen Herrscher im Reich ihren Höhepunkt erreichte.

Gründung des Reiches

Als Karl der Große sich von Papst Leo III. im Jahre 800 krönen ließ, symbolisierte er nicht nur die Einigung des Frankenreichs, sondern schuf einen Präzedenzfall für die Legitimation der nach ihm folgenden Herrscher. Kirchliche und weltliche Obrigkeit teilten sich in den nachfolgenden Jahrhunderten die politische Macht in Europa.

Doch nur die symbolische Einsetzung als "Kaisers von Gottes Gnaden", der an der Spitze des Lehenswesens im Frankenreich stand, geht auf Karl den Großen zurück. Das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" gründete er noch nicht.

Nach Karls Tod spaltete sich das Frankenreich in drei Teile auf. Erst im 10. Jahrhundert wuchs das ostfränkische Reich unter der Führung Heinrichs I. zur stärksten politischen Einheit in Europa. Sein Sohn Otto I. war ein ehrgeiziger Herrscher, der es verstand, den Vatikan auf seine Seite zu bringen, indem im Namen des Christentums östlich der Elbe die Missionierung vorantrieb und sich als Beschützer Papst Johannes XII. verdient machte.

Ottos Verbindung zum Papst und sein Einfluss wurde so stark, dass er das Reich unter sich vereinte und im Jahre 962 zum ersten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt wurde.